Samstag, 26. September 2009

Reisebericht (Teil 6): Nostalgie und Altern

Mein letzter Besuch in der alten Heimat vor eben jenem, den der Moops und ich vor ein paar Wochen unternahmen, lag zwei Jahre zurück. Kosmisch betrachtet eine höchst vernachlässigbare Zeitspanne, weniger kosmisch offenkundig eine ausreichende Frist, um spürbare Veränderungen herbeizuführen.

Schock Nummer 1: Die hoch aufragende, von zwei goldenen Bögen gekrönte Säule, die einen unmittelbar nach Verlassen der Autobahn (oder von dort herunter) zu einer Filiale jener Fast-Food-Kette führen soll, deren Maskottchen der gruseligste Clown nach Pennywise ist. Die Idee scheint aufzugehen: Meine Mutter hat berichtet, bereits mein zweijährige Neffe wüsste sehr genau, was es mit der Säule auf sich hat, und fordert lautstark ein „Abbeiß“ (seine gelungene Wortneuschöpfung für feste Nahrung aller Art), sobald er sie erspäht.

Schock Nummer 2: Man sitzt mit einer Runde Freunde in der ehemaligen Stammkneipe und wie aus dem Nichts materialisiert sich eine ungemein attraktive, junge Frau neben einem und fragt: „Sind Sie Thomas Plischke?“ Bedauerlicherweise handelt es sich nicht um die Erfüllung ambitionierter Schriftstellerträume, sondern eher um den Beweis dafür, wie starr die menschliche Erinnerung ist: Die Dame war mir sehr wohl bekannt, nur dass sie in meinem Kopf bislang immer 11 Jahre alt geblieben ist. Das ist umso gruseliger, wenn man bedenkt, dass ich mich sowohl in „Kalte Krieger“ als auch in „Lilie“ am Rande mit der Wankelmütigkeit und der eigentlich fließenden Natur von Erinnerungen befasse.

Schock Nummer 3: Das Haus, in dem ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe, wurde abgerissen und durch ein Gebäude für die Abwicklung des Wareneingangs eines SB-Möbelhauses ersetzt. Dieser Umstand ist mir zwar schon länger bekannt und ich habe den Ort dieses schändlichen Verbrechens bereits in der Vergangenheit einmal besichtigt, doch erst bei dieser Reise wurde mir klar, dass die Räume, durch die ich als Kind getapert bin, mittlerweile aus der fassbaren Wirklichkeit ausgelöscht und auf reine Erinnerungsfragmente reduziert wurden. Kein gerade berauschendes Gefühl. Eher etwas, das einen in Ehrfurcht vor der eigenen Endlichkeit erstarren lässt – aber gleichzeitig eine ausgezeichnete Inspiration für kommende Projekte.

Moops-P.S. Das hätten wir auch überstanden, aber das Posten geht weiter...

Kommentare:

Der Beutel hat gesagt…

"Mein letzter Besuch in der alten Heimat, den der Moops und ich vor ein paar Wochen unternahmen, lag zwei Jahre zurück."
-- Are you a time traveller now?

Ole hat gesagt…

Ups!
Es muß natürlich heißen:
"Mein letzter Besuch in der alten Heimat vor eben jenem, den der..."
Also keine Paradoxe in Arbeit, sondern einfach nur einen zentralen Satzteil vergessen ^^