Sonntag, 23. August 2009

Jeder Künstler ist ein Kannibale, jeder Dichter ein Dieb...

...formulierte es Bono ungefähr mal vor rund zwanzig Jahren in The Fly. Und das Fiese ist: Er hat auch noch ein bisschen recht. Ich habe auch einmal eine Geschichte gestohlen, wenn man so will. Zumindest habe ich eine Episode, die mir erzählt und als wahr behauptet wurde, für eine Kurzgeschichte nacherzählt (welche das ist, wird natürlich nicht verraten, weil sie einen gewissen Tabubruch ohne echte Opfer zum Thema hat). Der Leidtragende in diesem Fall heißt Mike Tinney, und bisher glaubte ich, meine Schuld damit beglichen zu haben, dass er seiner späteren Gattin über mich und den Moops begegnete.

Mittlerweile ist Mike der Nordamerika-Chef der Spielefirma CCP, die anlässlich der Kölner Gamescom im Alten Wartesaal ein rauschendes Fest inklusive abgefahrener Akrobatik-Show veranstaltete, zu dem wir ebenfalls eingeladen waren. Dort stellte sich heraus, dass Mike noch immer mit Tantiemen für die Verwendung seiner Geschichte rechnet. Am späteren Abend – ungefähr gegen zwei Uhr – ergab sich dann die Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen: Mike brauchte Zigarrennachschub, woraufhin sich die Fee, der Moops und ich aufmachten, nach Rauchwerk zu suchen. Die Fee – welterfahren wie sie ist – schlug vor, man könnte doch einfach ein „gutes Hotel“ aufsuchen und dort einmal nachfragen.

Zehn Minuten später standen wir in der Bar eines Fünf-Sterne-Hotels direkt am Dom, nachdem uns die Eloquenz des Moops am Nachtportier vorbeigemogelt hatte. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass der Moops außer sechs Litern Schweiß nur ein Handtuch, ein T-Shirt und eine Dreiviertelhose am haarigen Körper trug und die Fee und ich schwerstens angetrunken waren. Die junge Dame in der Bar erwies sich dann als derart hochprofessionell, wie man es von einem Haus wie dem, in dem sie ihrer Arbeit nachgeht, erwartet. Sie bot uns sogar an, die Zigarren anzuschneiden, was von uns dankend abgelehnt wurde, weil wir davon ausgingen, dass das nötige Werkzeug im Alten Wartesaal bestimmt zur Verfügung stehen würde. Wir bedankten uns, zogen von dannen ... und standen weitere zwanzig Minuten später wieder vor der hilfreichen Dame, weil der Zigarrenschneider sich auf seiner eigenen Odyssee befand. Während unserer Abwesenheit hatte Mike nämlich einen der Kellner des Alten Wartesaals samt Zigarrenschneider ebenfalls entsandt, um Suchtstoff heranzuschaffen. Der Kellner war allerdings noch verschollen, weshalb wir eben noch einmal das Hotelpersonal belästigen mussten.

Ich halte also fest: Aufgrund der erlittenen Demütigungen betrachte ich meine Tantiemen an Mike Tinney hiermit als entrichtet. Zumindest bis zur nächsten Begegnung...

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