Montag, 17. August 2009

Das Kreuz mit der Inspiration - Teil 2

Die Inspirationsmöglichkeiten, die sich einem im kreativen Schaffen anderer bieten, sind reichhaltig und vielfältig. Das ist gut. Zehntausend von Menschen haben spannende, interessante Geschichten in diversen Formen und Medien zu erzählen. Das ist schlecht. Wieso? Weil es eine Auswahl zu treffen gilt, womit man sich die Birne zuballern will. Anders gesagt: So viele Romane, Comics, Filme, Fernsehserien, Theaterstücke – und nur so wenig Zeit.

Man ist quasi in einem Netz aus gefühlten Verpflichtungen gefangen, die teils widersprüchlicher Natur sind: Zum einen muss das Genre, das man beackert, im Auge behalten werden, zum anderen lockt jenseits der Phantastik ein weites Feld hervorragenden Kulturschaffens. Popcorn-Kino tritt im Arena der Aufmerksamkeitsheischung gegen den vermeintlichen Autorenfilm an. Wagt man einen Blick auf einen modernen Shooter, um zu sehen, wie dort Story vermittelt wird, oder übersieht man dadurch eine grandiose Neuentwicklung im RPG-Bereich?

Die Antwort lautet: Ruhe bewahren! Tief durchatmen! Dann mit der Naivität eines Kindes an das herantreten, was gerade am buntesten, schrillsten und lautesten ist! Fesselt es einen nach zwei Minuten nicht länger, schlägt man es am Rand der Sandkiste oder auf dem Kopf des Spielkameraden kaputt. Was man braucht, ist eine gesunde Mischung aus Urvertrauen und ADHS. Eine der größten Lügen, die uns anerzogen wird, ist die, dass man etwas, das man angefangen hat, auch zu Ende bringen muss – und zwar selbst dann, wenn man nach den ersten Sekunden bereits das untrügliche Gefühl hat, dass man es beispielsweise gerade mit einem Roman zu tun hat, der einem persönlich leider so gar nicht zusagen wird. Hat man diese Lüge als solche erkannt, wird mit einem Mal alles leichter: Man legt ein angefangenes Buch ohne schlechtes Gewissen zur Seite, verlässt den Kinosaal mit traumwandlerischer Sicherheit bereits nach der Exposition oder belässt es lächelnd beim Piloten einer brutal gehypten Serie, deren bestimmt irgendwie vorhandener Charme aus unerfindlichen Gründen von einem selbst total abperlt.

Der Vorteil dieser Strategie besteht darin, dass man sich wieder auf das konzentrieren kann, was einen anspricht und aus dem man für sich einen emotionalen oder sonstwie gearteten Gewinn ziehen kann. Manchmal muss man sich damit abfinden, dass man nicht jeder Spur aus Inspirationsschnipseln folgen kann. Man tröstet sich am besten damit, dass man denen folgt, die einen aufgrund ihres knisternden, schillernden Materials umgehend anspringen, anstatt sich ständig zu überlegen, wohin die anderen Spuren führen mögen. Das Leben im Konjunktiv ist und bleibt nämlich ein neurotisches – auch und gerade wenn es um möglicherweise verpasste Inspirationen geht…

P.S. Teil 1 zum Thema Inspiration findet man hier.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Was findest du an 'Geist - the Sin-Eaters' denn "grandios"?
Es gibt in der letzten Zeit wohl kein Regelwerk, das meine Erwartungen mehr enttäuscht hätte als 'Geist'.

Es war echt eine Qual dieses Buch zu lesen.

- Öder Schreibstil.

- Nichts wirklich Inhaltliches zu Tod oder Nahtoderfahrungen. (Da hatte das Interview von Matt deutlich mehr versprochen.)

- Eine starre soziale Vorgabe (Hierarchien, Treffen, Organisation etc.) statt einem flexiblem System.

- Eine ausschließlich üble Unterwelt, statt diese offen zu gestalten, um so verschiedene religiöse Vorstellungen einzubringen zu können. (Ich frag mich, wie Sin-Eaters guten Gewissens rastlosen Seelen der Nicht-dahin-scheidenden genau an diesen Ort schicken können. Gerade dann, wenn sie es eigentlich gut mit ihnen meinen.)

- Die selbe Art von Magiesystem, die mir schon bei anderen nWoD (CtL) unangenehm aufgefallen ist.

- Statt einer Einflussmöglichkeit für SpielerInnen (vergleichbar dem Shadow aus Wraith, dem Talecrafting aus Changeling the Lost) wird der Geist auf Ersatz für das Moralsystem reduzieren.

- ...

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alias Nin

Ole hat gesagt…

Hola Herr Nin,
wir haben es leider noch nicht - und die Ankündigungen klangen erstmal recht vielversprechend.
Schade, wenn sie es wieder vergeigt haben.
Beste Grüße vom Moops

Anonym hat gesagt…

Hallo Ole,

ich hab hier noch ein paar Geist-Plakate liegen, davon kann ich euch gerne eins schicken, das versüßt eventuell die Wartezeit.
Wer weiß, vielleicht gefällt euch Geist ja auch wesentlich besser als mir...
_________
alias Nin

Ole hat gesagt…

So ein Poster würden wir wohl nehmen, aber gerne auch verbunden mit einer Einladung zu uns!
Der letzte Besuch war ja sehr unterhaltsam und gerne würden wir das wiederholen...
Beste Grüße, Ole