Dienstag, 21. Juli 2009

Hoch die Fahnen: „Kalte Krieger“ unter der Lupe


Unlängst sind die Fahnen zu „Kalte Krieger“ bei uns eingetrudelt und werden von der Fee, mit der ich zusammenleben darf, auf Herz und Nieren geprüft. Zur Erinnerung: „Kalte Krieger“ ist der paranormale Thriller um Erinnerungsmanipulatoren, traumatische Sommercampaufenthalte und tiefgefrorene Leichen, der rechtzeitig zu Weihnachten die Buchläden heimsuchen wird. Der Moops tobt sich bereits an der Werbetrommel aus – von mir eingebrachte Ideen sich dabei hauptsächlich auf morgen-, mittags- und abenduringefüllte Mountain-Dew-Flaschen zu kaprizieren (die im Roman ungelogen eine gewisse, wenn auch bescheidene Rolle spielen), wurden ebenso verworfen wie mein Vorschlag, überfahrene Kleintiere in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeitslenkung zu stellen (obwohl auch sie in „Kalte Krieger“ auftauchen). Grausame Welt, die mich selbst der kleinsten Freuden berauben will.

Wer sich schon jetzt in die richtige Stimmung für einen der beiden Haupthandlungsstränge bringen will, der im Jahr 1999 spielt, dem seien folgende Tipps an die Hand gegeben:

* Man tausche sein aktuelles Handy, das praktisch nichts wiegt und sich gefügig als Kamera, MP3-Player, Portal ins Internet und Spargelschäler missbrauchen lässt, gegen ein Modell aus dem Museum aus, das aus handgeklöppeltem Blei gefertigt ist und – unverschämter Gipfel der Langeweile – in erster Linie zum Telefonieren gedacht war.
* Folgende CDs – jawohl, CDs; die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht – sind zu entstauben und hemmungslos zu konsumieren, um dem Schrecken dieser Ära gerecht zu werden: ...Baby One More Time (Britney Spears), Ricky Martin (Ricky Martin), A Little Bit of Mambo (Lou Bega) sowie Reload (Tom Jones). Besonders Mutige wagen sich an die folgenden Singlehits: Narcotic (Liquido), Boom, Boom, Boom, Boom! (Vengaboys), Ö La Palöma (Ö La Palöma Boys) nebst Blue (Eiffel 65). Damit sollte die gängige Behauptung „Früher war alles besser“ fürs Erste entkräftet sein...
* Wer die Zeitreise auch äußerlich mitmachen möchte, schaut mal nach, ob er nicht eventuell Folgendes im Schrank oder auf dem Speicher findet: Buffalos (eine perverse Mischung aus Turn- und Plateauschuh, die nur der Teufel erfunden haben kann), an den Seiten komplett aufknöpfbare Jogginghosen aus Ballonseide (von Kennern auch gern „Schnellfickerhosen“ genannt), eine Daunenjacke in einer beliebigen Neonfarbe (damals mit Vorliebe getragen, um für den unwahrscheinlichen Fall einer Schneekatastrophe nicht verlorenzugehen).
* Weitere Dinge, auf die wir alle vor 1999 verzichten mussten und nicht einmal ahnten, dass sie uns schon bald beglücken würden: Smoothies, StudiVZ, ein US-Präsident namens George W. Bush, Lost ... wie war menschliches Leben damals überhaupt möglich?

Die Recherche für „Kalte Krieger“ hat mich einiges an Nerven gekostet – weniger die Auseinandersetzung mit parapsychologischer Forschung in Ost und West, sondern eher in der Hinsicht, dass ich mich dabei absolut unvermittelt beim Altfühlen ertappte. Beispielsweise bei der Feststellung, dass der Gameboy inzwischen mehr Jahre auf dem Buckel hat, als ein beträchtlicher Prozentsatz meiner verehrten Leserschaft. Das tat schon ein bisschen weh...

Getröstet habe ich mich mit dem lustvollen Verstecken von allerlei Eastereggs rund zum Thema Comics (einer meiner ältesten Leidenschaften). Wer sie alle findet, darf sie gerne behalten und sich klammheimlich mit mir freuen...

Der hochgeschätzte Reitersmann hat "Kalte Krieger" treffender als ich es kann wie folgt zusammengefasst:

Jedenfalls ist das ein sehr schöner Roman irgendwo zwischen verschlüsselten X-Men, Stephen King und John Farris' "The Fury" (Teufelskreis Alpha). Bestens.

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