Samstag, 7. März 2009

Kurze Selbstentblößung

In jüngster Zeit habe ich mir verstärkt Gedanken um gewisse Neigungen bei meiner Schreiberei gemacht. Dabei bin ich zu folgenden Erkenntnissen gelangt:
1. Aus mir wird zumindest in absehbarer Zeit kein Kinder- und Jugendbuchautor. Um Missverständnissen vorzubeugen: Kinder- und Jugendbücher sind sackschwer zu schreiben, und ich habe nichts als höchste Achtung für meine geschätzten Kollegen, die auf diesem Sektor Glanzleistungen abliefern (wie etwa Tom Finn, den man gar nicht genug loben kann). Allerdings eignen sich weder medizinische Experimente oder bizarre Bestattungsriten noch Verstümmelungen an Seele und Leib, um daraus ein Büchlein zu zimmern, das ich gerne in Kinderhänden sähe – zumindest nicht unter Berücksichtigung meines Hangs zu verhältnismäßig drastischen Bildern oder harten Situationen, in die ich meine ohnmächtigen Figuren hineinmanövriere.
2. Ich habe ein erstaunlich festes Menschenbild. Wir sind allesamt ebenso schöne und mitfühlende wie hässliche und grausame Geschöpfe. Welche unserer beiden Seiten überwiegt, kann sich vom einen auf den anderen Augenblick ändern. Wir geben gerne vor, das Gute zu wollen, wobei unsere Vorstellung vom Guten letztlich nichts anderes als ein durch kulturelle Prägungen vorgegebenes Ideal ist, dem wir nie vollständig entsprechen können. Trotzdem wäre es schön, wenn es anders wäre.
3. Ich liebe Schachtelsätze, gelobe allerdings hiermit Besserung, wenngleich ein Beweis meines Bemühens – unermüdlich, standhaft und energisch – unter Umständen, welche keiner näheren Erläuterung abgesehen von Verweisen auf meine Kindheit bedürfen, noch ein wenig ausbleiben könnten, sofern nicht ein Wunder im Sinne eines unerklärlichen Vorfalls, der meinen so löblichen Entschluss beschleunigt, eintritt, um es mir fürderhin zu erlauben, mich derart kurz zu fassen, dass meine Lektoren und Leser sich nicht Gabeln in die Augen rammen wollen, sobald ich ihnen einen Text vorlege.

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