Dienstag, 6. Januar 2009

Wir kommen in die Hölle

Warum? Da wir nun offiziell zu den Menschen gehören, die Büchern Leid getan haben. Allerdings haben wir uns nicht der schlimmsten Verbrechen schuldig gemacht, die an Druckerzeugnissen begangen werden können. Wir haben sie weder als praktische Untersetzer für Kaffeetassen missbraucht noch Taschenbücher beim Lesen so weit aufgeschlagen, dass sich Cover und Rücken begegneten (ich asche meinen Mitmenschen ja auch nicht in den Mund oder fessele sie unter Zuhilfenahme von Lederriemen u. ä. dergestalt, dass sie aussehen wie eine Brezel).
Doch wir haben uns dennoch versündigt: Zwei unserer Bücher wurden bei aufwändigen Umräumarbeiten aussortiert und verstoßen. Zum einen eine recht ramponierte Ausgabe von The Stand (allenfalls dadurch entschuldbar, dass uns ein zweites Exemplar in wesentlich besserer Verfassung vorliegt), zum anderen den Roman zum Film zu Auf der Flucht (zeitgeschichtlich ein an und für sich interessantes Dokument, da Harrison Ford auf der Titelillustration jung und unverbraucht wirkt).
Uns ist bereits jetzt bewusst, wie folgenreich diese Tat sein wird. Die Verbannten werden wiederkehren und sich rächen – höchstwahrscheinlich in Form von Heimsuchungen, bei denen der Schimmel an den Badezimmerfliesen bei näherer Betrachtung Ähnlichkeit mit dem Brillengestell von Kings uraltem Autorenfoto aufweist. Denkbar sind auch ausgleichende Racheaktionen des Schicksals, im Zuge derer in Bälde zwei Bücher, an denen unser Herz hängt, auf mysteriöse Weise verschwinden oder von einem Hund zernagt werden (diese Angstvorstellung beruht auf einer wahren Begebenheit: ein von mir im zarten Kindesalter aus der Stadtbücherei Ludwigshafen entliehenes Jugendlexikon von Schneider – grässlich hässlich in Regenbogenfarben – fiel der Zerstörungswut eines Yorkshire-Terriers zum Opfer und musste dahingehend zum horrenden Preis von 19,80 DM ersetzt werden). Unter diesen Umständen sollte der für 2009 geplante Mopskauf dringend verschoben werden, auch wenn wir dann eine Weile länger mit der kuscheligen Jason-Vorhees-Puppe schmusen müssen, die uns das so genannte Christkind beschert hat.

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