Dienstag, 30. September 2008

Retrospektive: Teil 4 - Von Karten und Soldaten

Ehernes Genregesetz 16: Kein ordentlicher Fantasyroman ohne Karte!
Und da es sich bei uns um gesetzestreue Volldemokraten und Vorzeigebürger handelt, stand von Anfang an fest, dass Die Zerrissenen Reiche nicht ohne Karte lesend zu bereisen sein würden.
Allerdings standen wir bei diesem kühnen Unterfangen vor einem Problem: Ich scheitere regelmäßig bereits an Anfahrtsskizzen zur nächsten Tankstelle, und Ole mag viele Talente besitzen, aber saubere Kartographie zählt bedauerlicherweise nicht zu seinem umfangreichen Fertigkeitsschatz. Zum Glück gibt es jedoch Menschen, die bei der Genlotterie das große Los gezogen haben und in der Lage sind, Zeichnungen diverser Art anzufertigen, die auch ohne erhebliche Mühen erkennen lassen, was das Dargestellte dem geneigten Betrachter vermitteln soll. Einer dieser Menschen ist Tobias Mannewitz, der in Amsterdam und Berlin lebt und arbeitet (ja, er verdient richtiges, echtes, fälschungssicheres Geld mit seiner zarten Fingerchen Flinkheit…).
Da wir uns bekanntlich vorgenommen hatten, unsere Welt ausgehend von der zwergischen Kultur zu beschreiben, die mitten in der Industriellen Revolution steckt, fielen zwei altgediente Kartenvarianten von vornherein flach:
- Die Barbarenweltsicht (Medium: Holzkohle auf notdürftig von Fleischresten freigeschabter Tierhaut).
- Das „Hier gibt es Drachen“-Quasi/Pseudo-Mittelalter-Panorama (Medium: Fingerfarben auf Sandsteinwand).
Wir haben uns gemeinsam mit Tobi für etwas entschieden, das krass nach Kupferstich (einem entfernten Verwandten des Eierstichs) auszusehen hatte und bei dem Längen- und Breitengrade grob als solche erkennbar sein sollten. Herr Mannewitz lieferte bereits mit der ersten Vorabversion gleich noch eine charmant-zündende Idee mit: die Polprojektion. Wie es sich für das fortschrittlichste Volk eines Planeten gehört, betrachteten die Zwerge die haarumkranzte Vertiefung in ihrer voluminösen Leibesmitte konsequent als den Nabel der gesamten bekannten Welt. Und so kamen wir neben einer klassischen Karte zu einem mentalitätstransportierenden Schmankerl, das kreisrund ist und vor sympathischer Selbstüberschätzung strotzt.
Über Tobias Mannewitz gelang es uns, in Kontakt mit einem weiteren kunstverständnisgesegneten Illustrator mit dem klangvollen Namen Henrik Bolle zu treten. Die schönste Karte im Buch nutzt nämlich nun einmal nicht das Geringste, wenn das Werk selbst ohne Cover bleibt. Die wichtigste Frage, die sich uns bei der Covergestaltung stellte, lautete: Nehmen wir Rücksicht auf diejenigen Menschen dort draußen, die sich schämen, wenn sie bei der S-Bahn-Fahrt anhand der äußeren Erscheinung ihrer Lektüre umgehend als Freunde der mehr oder weniger gepflegten Fantasy geoutet werden?
Selbstverständlich nicht. Eine Verschleierung des Inhalts mittels einer zarten Bildsprache wäre:
1. Heuchelei gewesen und hätte 2. den peinlichen Moment der Enthüllung nur hinausgezögert. („Was liest du denn da eigentlich? Ist das ein historischer Roman? Das Cover finde ich total ansprechend. So geschmackvoll-reduziert.“ – „Äh, nein. Das ist so ein Fantasybuch, das mir jemand geschenkt hat. Ich würde mir so was nie selbst kaufen, aber wo ich es schon einmal habe, dachte ich mir, ich könnte mal reinlesen…“ – „Fantasy? Du perverser Freak!“).
Folglich prangt nun ein zwergischer Soldat mit sauber gestutztem Bärtchen und schmuckem Armeegewehr auf dem Cover, hübsch vor einem kühlen Bergidyll in Szene gesetzt. Aus seinem Gesicht spricht die kühne Entschlossenheit des unlängst mit nationalistischem Gedankengut Verführten, die einige für sexy, andere wiederum für einfältig halten. Kein Zweifel, dass unser Rotbart seinen heimatlichen Bund bis zur letzten Patrone verteidigen würde – selbst in einem Angriffskrieg, der bekanntlich nur die Fortsetzung von friedenssichernder Politik mit angeblich angemessenen Mitteln darstellt…

Moops-P.S.: Das Cover findet man übrigens in der Retrospektive 1.
Moops-P.P.S.: Tobi findet man hier; Henrik wiederum hier - und beide auf einmal hier.

Sonntag, 28. September 2008

Retrospektive: Teil 3 - Titel, Thesen, Exkremente oder: Die nächste Prüfung ist immer die schwerste

Ende letzten Jahres begab es sich, dass ein Umstand eintrat, mit dem selbst die hoffnungsfrohsten Optimisten in unserem Umfeld beinahe nicht mehr gerechnet hatten: Ole und ich legten unsere Abschlussprüfungen ab und dürfen uns seitdem Magister schimpfen. Schön.
Oder auch nicht. Mit dem Erwerb des Titels stellt sich nämlich keine beruhigende Völle, sondern eher eine beunruhigende Leere ein. Das ist sie nun also gewesen – die mystisch verklärte Zeit, in der man Sagen und Legenden nach freier, abenteuerlustiger und besoffener ist als jemals zuvor oder danach in seinem Leben.
Was macht man also, um der Leere Herr zu werden? Genau, man geht in die Lehre. Dies dient beileibe nicht als Notnagel, mit dem man seine jämmerliche Existenz auf hinlänglich bekanntem Terrain fixiert, um nicht von den Stürmen des heraufziehenden Berufslebens hinweggefegt zu wurden. Nein, es geht darum, andere für etwas zu begeistern, was einen selbst begeistert. Darum, für karmische Gerechtigkeit zu sorgen, indem man nach dem ganzen unreflektierten Nehmen zu einem zumindest halbdurchdachten Geben kommt. Und es ist ausgesprochen befriedigend und sinnstiftend, andere nun so zu quälen wie man selbst gequält wurde – im Dienste einer guten Sache, versteht sich. In diesem Fall ist das die Mehrung von Wissen und Erkenntnis im Bereich amerikanischer Populärkultur und deren Umgang mit der jüngeren Zeitgeschichte. Das ist auch dringend nötig.
Amerikanische Populärkultur wurde unlängst von einem unserer Bekannten durch die Blume als Tautologie im Stile eines weißen Schimmels bezeichnet, weil die Amerikaner bekanntlich keine andere Kultur hätten als die populäre. Der Humus, aus dem dieser Keimling der fundamentalen Gesellschaftsbewertung sein zartes Häuptlein zu emporzubohren hatte, war die argumentative Absicherung, es gäbe die Amerikaner nun mal erst zweihundert Jahre. Hui, gut zu wissen, dass die Amis exakt so, wie sie damals waren und wie sie heute sind, aus irgendeinem nicht näher bestimmten Ei geschlüpft sind. Die britischen Siedler, die neben den zahlreichen indigenen Völkern die Neue Welt bevölkerten, haben diese Gestrandeten des Universums wahrscheinlich schlicht zu Burgern verarbeitet und aufgefressen – selbstredend ohne Serviette auf dem Schoß.
Sei’s drum. Vorurteile ersetzen praktischerweise gründliches Nachdenken. Apropos Vorurteile: In den Geisteswissenschaften werden Kuschelnoten verteilt, so heißt es. Ich empfehle zur Überprüfung dieser These die Teilnahme an einer Magisterklausur am Institut für Amerikanistik und Anglistik, solange diese Abschlussart noch existiert und nicht vom um sich greifenden Bachelor aus ihrem angestammten Biotop verdrängt wurde. Eine solche Klausur ist lustig, denn sie funktioniert nach dem Prinzip einer Lostrommel: Man schreibe zu einem Text, den man sein Lebtag noch nicht gesehen, möglichst kluge, geistreiche Sätze. Und jetzt das wahrhaft Empörende: grammatikalisch korrekt, orthographisch lupenrein und stilistisch orgasmenfördernd sollten diese Sätze bitte auch noch sein. Der Elfenbeinturm mag von außen hübsch anzusehen sein, aber drinnen trifft man neben netten, gebildeten Menschen, mit denen zu plaudern es eine echte Lust ist, auch auf Fallgruben mit angespitzten Pflöcken, tote Gänge ins Nirgendwo und allerlei anderes, was einem die gute Laune vermiesen kann. Selbige bewahrt man, indem man sich vorwiegend in den sonnendurchfluteten Innenhöfen aufhält und die Schilder mit den Warnhinweisen in altgriechischen Provinzdialekten beachtet.
Ein weiser Mann hat uns darauf hingewiesen, dass dies die letzten Prüfungen waren, denen wir uns wahrscheinlich auf Zwang unterziehen mussten. Wenn wir jetzt noch mehr Prüfungen ablegen wollten, wäre das a) freiwillig und b) Ausdruck einer masochistischen Grundhaltung. Moment …
ich hab’s gleich …
muss mir eben nur noch rasch eine Sicherheitsnadel in den Nippel fummeln …
geschafft!
Die Bühne der Welt muss nur noch für die nächsten Abjekte unserer kranken Hirne bereitet werden, doch die Vorbereitungen werden höchstens einige Jahre in Anspruch nehmen. Solange schlüpfen wir in unsere Promovierendenkostüme und machen die heiligen Hallen der Wissenschaft ein bisschen länger unsicher… Erzittere, Universität Hamburg, erzittere!
Mein Leitstern B hat sich in reizend-weiblicher Verspieltheit noch nicht restlos von einem ähnlichen Vorhaben überzeugen lassen, was ihren ureigenen Lebensweg angeht. Sie steckt lieber das zierliche Näschen dorthin, wo der raue Wind der Marktwirtschaft weht und findet nach und nach heraus, wie nachteilig sich das freie Spiel der Kräfte auf die menschliche Psyche auswirken kann. Wir halten vom Basislager aus Funkkontakt, um ihr Mut zuzusprechen, wenn sie daran zweifelt, ob sich diese Expedition tatsächlich lohnt. Wir erwarten sie bald mit einem wahren Schatz an Managerschrumpfköpfen, einem bunten Strauß frisch gepflückter Büroneurosen und einer packenden Geschichte um Aufstieg und Fall der deutschen Großindustrie zurück. Pass auf dich auf, meine tapfere Amazone…

Donnerstag, 25. September 2008

Retrospektive: Teil 2 - Im Herz der Finsternis

Die letzte Zigarette ist geraucht, der letzte Schluck grüne Tee getrunken, und nun fällt die Anspannung von mir ab wie der Schorf von einem vor vier Wochen aufgeschürften Knie. Der Grund für die nervliche Belastungsprobe, die hinter mir liegt? Das weite Öffnen meiner intimsten Bereiche für die neugierigen Blicke der gehobenen Boulevardpresse. Anders gesagt: Hier kommt der versprochene Rundgang durch mein neues Domizil.

Wo man herkommt
Wie den Eingeweihten bereits bekannt, gelang uns im letzten Jahr die Flucht aus dem wenig beschaulichen Bergedorf-West (BW) nach Bergedorf-Mitte (BM). BW zeichnet sich durch eine bezaubernde Mischung aus urbaner Tristesse, unterschwelliger Gewalt und waschbetongewordener Hoffnungslosigkeit aus. Beispiele gefällig? Nicht nur wurden wir dort Zeugen eines unauffälligen Polizeieinsatzes zwei Etagen unter uns (bei dem mittels eines handlichen Rammbocks die fragliche Wohnungstür sanft aufgetan wurde). Wir durften auch miterleben, wie ein risikogestählter Jungunternehmer mit einer ausgeprägten Investitionsfreude in Sachen Betäubungsmittel vom einen auf den anderen Tag aus dem Erdgeschoss verschwand und das Mobiliar seiner Butze kleingehauen und aus dem Fenster in einen Müllcontainer wanderte. Wir werden dich vermissen, BW…

Wo man ist
Unsere neue Unterbringung in BM kann auf eine ruhmreichere Historie zurückblicken. Vorsicht! Melodramatikalarm! Diese Mauern atmen deutsche Geschichte. Ursprünglich zu den Glanzzeiten der Arbeiterbewegung errichtet, um einer linken Zeitung ein Dach über dem Kopf zu geben, wurde es von den Nazis beschlagnahmt. Als das angekündigte Tausendjährige Reich sich glücklicherweise nach bereits zwölf Jahren als Auslaufmodell entpuppte, fiel das Haus an eine Erbengemeinschaft und steht heute ganz im Zeichen der Sozialdemokratie (das örtliche Parteibüro befindet sich quasi zu unseren Füßen).

Zu den Räumlichkeiten, die wir bewohnen
Fangen wir mit dem Wichtigsten an: den sanitären Einrichtungen. Dusche und WC sind vorhanden. Eine Badewanne wird indes schmerzlich vermisst (sie ist weiß, recht groß und mit geheimnisvollen Sprudelapparaturen versehen – wer sie gesehen hat, möge sich bitte bei uns melden).
Um die Küche kümmert sich mein Gesinde, und ich habe sie noch nie betreten. Unbestätigten Gerüchten zufolge ist sie zu klein, um die von mir geforderten Zwölf-Gänge-Menüs zuzubereiten (es ist heute unglaublich schwer geworden, gutes Personal zu finden; als wir noch unser Gut in Schlesien hatten, war das irgendwie unkomplizierter…).
Für das Schlafgemach sind wir derzeit noch auf der Suche nach authentischen Traumfängern, die von blinden, an einem Dienstag im April geborenen Navajo-Schamanen in einer bewölkten Vollmondnacht mundgeflochten wurden, um die überall lauernden bösen Geister abzuwehren. Die muss es hier geben, weil uns in schöner Regelmäßigkeit das Bett unter den schlafenden Hintern zusammenkracht.
Ansonsten haben wir uns eine Art Spielzimmer eingerichtet, das dank des ausgewählten Mobiliars an einen Gruppentherapieraum erinnert – so soll es sein! Zudem finden sich dort an einer Wand Reste der alten Bemalung aus einer Zeit, als Tapeten noch nicht selbstverständlich waren. Da müsste mal bei Gelegenheit ein Bilderrahmen rum.
Das Wohnzimmer hingegen ist neo-nerdig funktional gestaltet und wartet mit eigenem Kühlschrank sowie einer schmucken Kaffeemaschine auf.
Alles in allem bin ich mit der derzeitigen räumlichen Konstellation hochzufrieden, befürchte allerdings, dass die nette Frau nebenan bald ausziehen muss, um Platz für die geplante Mediothek, den Löwenkäfig, den Schrein für verkannte Autoren, die eigene S-Bahn-Station und das Gestüt zu schaffen.

Montag, 22. September 2008

Retrospektive: Teil 1 - Zwerge und Sozialismus

Ach ja, wenn ich so auf die letzten Jahre zurückschaue, dann hat sich einiges getan. Sagte ich das bereits an anderer Stelle? Macht ja nichts. Wiederholungen festigen das Gelernte.

Alles ist im Fluss (hier in Hamburg wäre das die Elbe). Wie könnte es mit unserem Konzept für eine Fantasywelt, die nicht auf leiernden Minnesang und selbstgefällige Könige, sondern auf zünftige Marschmusik und fleißige Vorarbeiter setzt, anders sein?

Die Reihe erscheint jetzt unter dem Titel "Die Zerrissenen Reiche" bei Piper, und der erste Band mit dem Titel "Die Zwerge von Amboss" wird bereits am 22.10.08 die Buchläden unsicher machen.

Als kleiner Vorgeschmack zunächst einmal der Klappentext:

Eine mysteriöse Serie von Anschlägen auf namhafte Zwerge erschüttert die Industriestadt Amboss. Der Ermittler Garep Schmied versucht den Vorgängen auf den Grund zu gehen und stößt dabei auf eine Verschwörung, die sich Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit zunutze macht, um einen schrecklichen Krieg anzuzetteln. Zur gleichen Zeit sucht einen Kontinent entfernt ein menschlicher Bestienjäger aus den von religiösen Konflikten zerrütteten Ländern der Menschen nach seiner verschwundenen Schwester - eine Reise, die ihn schließlich in die Heimat der Zwerge führen wird und ebenfalls zum Ziel der Verschwörer macht.

Und gleich hinterher ein wenig Erläuterndes aus unserem hochinformativen Werbeblättchen:

Pistolen statt Äxte, Eisenbahnen statt Pferde, Kapitalismus statt Feudalgesellschaft. Die allermeisten Fantasy-Romane sind in einem Quasi-Mittelalter angesiedelt, aber muss das so sein? Was geschieht, wenn man sich mal bei einer ganz anderen Epoche bedient? "Die Zwerge von Amboss" beantwortet diese und andere Fragen mit einer spannenden Mischung aus Thriller, Fantasy- und Abenteuerroman.

Grundansatz der Reihe ist es, Ideen und Klischees, die man aus dem Fantasy-Genre kennt, aufzugreifen und konsequent weiterzuentwickeln.

So, jetzt ist es raus. Und was wollen uns die Autoren damit sagen?

Nehmen wir zum Beispiel die Zwerge. Bärbeißige, grimmige Gesellen, die aufgrund ihrer genetischen Disposition breite Schädel, dicke Bäuche und starken Haarwuchs entwickeln - und nebenbei häufig das Volk sind, das prozentual die meisten brauchbaren Handwerker, Techniker und Architekten in einer Fantasy-Welt stellt. Ja, die Elfen können toll singen und haben auch zweifelsohne einen grünen Daumen, für den jede Hobbygärtnerin aus der Vorstadtsiedlung töten würde, aber wir trauen es ihnen nicht zu, ein
funktionierendes Artilleriegeschütz und ähnliche Freuden des technologischen Fortschritts zu bauen.

Was passiert also, wenn die Zwerge die pelzigen Arschbacken zusammenkneifen und mal ordentlich Dampf machen? Richtig, sie könnten es in der Welt weit bringen - Gewehre und vergleichbare Werkzeuge zur Erleichterung großflächiger ethnischer Säuberungen waren ja bei der Ausbreitung des weißen, angeblich zivilisierten Mannes auf unserem Globus nicht ganz unschuldig.

Technologischer Fortschritt hat allerdings auch so seine Tücken. Maschinen übernehmen nun die Arbeit, die es früher einem anständigen Zwerg erlaubt hat, seine Sippe zu ernähren, und mittlerweile frisst die industrielle Revolution ihre eigenen Kinder.

Klingt irgendwie politisch? Alles ist politisch.
Ist das gerecht?
Nun, ist es gerecht, dass die Manufakturbetreiber immer höhere Boni einstreichen, während der einfache Zwerg auf der Straße nicht mehr weiß, womit er seinen Rübenschnaps bezahlen soll?
Ist es gerecht, dass die Menschen in den Zwergenbund kommen und den Breitschädeln die Haare vom Hintern fressen, nur weil bei den Langschädeln zuhause keiner das Wort "Vernunft" buchstabieren kann?
Ist es gerecht, dass skrupellose Forscher schaurige Experimente an jungen Halblingsdamen anstellen, um sie zu Waffen in einem anstehenden Krieg zu machen?
Ist es gerecht, dass ein zwergischer Ermittler von einem Zugdach in einen eisigen Gebirgsfluss springen muss, weil er herausfinden wollte, wer einen angesehenen Komponisten auf dem Gewissen hat?

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, worum es uns geht, und warum wir tun, was wir tun.

Außerdem hoffe ich, dass man auch bemerkt, wie viel uns am Genre der Fantasy liegt und wie sehr uns unsere Zwerge in den letzten Jahren doch ans Herz gewachsen sind. Selbiges gilt übrigens auch für die drei Lektoren, die quasi zu Geburtshelfern unserer Idee wurden: Ohne Carsten, Kerstin und Ralf wären die Zwerge nämlich sicher nicht so weit gekommen.

Band 2 ist bereits abgegeben und aktuell flattern uns die Entwürfe für das Cover ins Haus.

Apropos Cover - hier der Link zur Buchseite bei Piper:

http://www.piper-verlag.de/fantasy/buch.php?id=13116&page=suche&auswahl=a&pagenum=1&page=buchaz&PHPSESSID=3653602766fc50321231acaa275f4535

Und hier das "große Cover", auf das Ole und ich mächtig stolz sind:


Beim nächsten Mal lasse ich mich etwas privater über unsere neue Heimstatt aus - so im Stile einer Gala-Homestory, aber in den Westflügel, in dem ich derzeit residiere, kommen mir keine Kameras rein...

Samstag, 20. September 2008

Der Ausblick auf die Rückschau

Puh, einiges hat sich in den letzten Monaten getan! Pardon: Das müsste korrekterweise "in den letzten Jahren" heißen. Und gleich noch zur näheren inhaltlichen Bestimmung eine weitere Korrektur hinterher: "Getan" hat sich seit der WM 2006 natürlich global gesehen ungeheuerlich viel, aber hier dreht sich alles egozentrisch um mich und meinen ureigenen Kosmos.

Der Vorsatz für die nächste Zeit - ob er gut ist, wird sich zeigen - lautet jedenfalls: regelmäßigere Berichterstattung.

Was also bisher (äh... seit dem letzten Blog-Versuch) geschah:

Schlaglicht 1:
Mit Piper haben wir einen Verlag gefunden, der unseren Entwurf für eine Romanreihe, mit der wir den Versuch unternehmen wollen, Fantasy mal etwas anders zu machen, angenommen hat. "Unseren" und "wir" hat nichts damit zu tun, dass ich immer noch merklich geknickt bin, da mich bislang keiner zum König der Welt ausgerufen hat (was zweifellos nicht mehr lange dauern kann), sondern damit, dass guter Mist erst dann überzeugend stinkt, wenn mindestens zwei Leute auf denselben Haufen kacken. Will meinen: Die erwähnte Romanreihe ist - wie fast alles, was ich so treibe - ein Gemeinschaftsprojekt mit Ole Johan Christiansen (aka der Sambamops respektive Leitstern meines Lebens).

Schlaglicht 2:
Leitstern A (Ole) und Leitstern B (Verena) haben mich aus meiner gewohnten Umlaufbahn im beschaulichen Plattenbau-West nebst meiner gesamten Habe mitten ins Herz von Hamburg-Bergedorf gerissen. Mein neues Domizil hat einen Holzfußboden, und die Pfleger sind 90% der Zeit freundlich zu mir.

Schlaglicht 3:
Weil es in Teutonia ohne einen Schein, auf dem der derzeitige Zustand der Persönlichkeitsentwicklung von amtlicher Seite aus festgehalten wird, nicht geht, sahen wir alle drei uns gezwungen, einen sogenannten akademischen Abschluss zu erwerben. Ole und mir hat das dermaßen gut gefallen, dass wir uns vorgenommen haben, demnächst noch so eine Urkunde zu erwerben, dank derer wir dann bei Unfällen u. Ä. rufen können: "Lassen Sie uns durch! Wir
sind Doktoren!" Verena hadert mit sich, ob sie ein solches Auftreten mit ihrem katholisch-ausdifferenzierten Gewissen vereinbaren kann, springt aber schon mal kopfüber in die Arbeitswelt - nur um festzustellen, dass sich das durchschnittliche Gebaren in Großraumbüros einzig anhand des vorhandenen Mobiliars von Schulhofgepflogenheiten unterscheidet.

Schlaglicht 4:
Da man nicht alles selbst machen kann (und meine ursprünglichen, mit Wachsmalstiften zu Papier gebrachten Entwürfe bei Ole keinen Anklang finden), heuern wir in Sachen Cover und Karten für die Romanreihe professionelle Hilfe an. Ganz ohne die Gelben Seiten zu konsultieren, wie es die Werbung empfiehlt, aber dafür mit einem sensationell sehenswerten Ergebnis.

Schlaglicht 5:
Nebenbei liefern wir den zweiten Band der Romanreihe ab, und Ole vertreibt sich die Zeit mit diversen Artikeln und Übersetzungen, während ich Kontakt zu einem etwas eigenbrötlerischen Schriftstellerkollegen aus den USA aufgenommen habe. Zu dritt basteln wir nun an einem Projekt, das man aus Gründen der gehobenen Sicherheitsrafinesse besser mit einem schmucken Hütchen aus Alufolie auf dem Kopf angeht. Mehr darüber in Kürze - sofern wir nicht plötzlich und unerwartet verschwinden.

Schlaglicht 6:
Am 30. Oktober steht die Premierenlesung aus "Die Zerrissenen Reiche 1: Die Zwerge von Amboss" in der Villa Verde an. Zeit, sich Zeh- und Fingernägel zu schneiden, um einen präsentablen Eindruck bei den Massen zu hinterlassen.

So, genug geschlaglichtet. Ich muss mich profaneren Dingen widmen und mich mental auf eine Fahrt in den Taunus vorbereiten, wo ich beim Montségur-Autorentreffen daran arbeite, meine Menschenscheu abzulegen.

Nachtrag zu den Schlaglichtern: Mit dem nächsten Eintrag hier startet eine kleine Retrospektive der letzten Monate!