Sonntag, 7. Dezember 2008

Vorurteile in Frageform

Als Fantasyautor sieht man sich einer erstaunlichen Menge an Vorurteilen ausgesetzt. Oftmals schleichen sie sich im Gespräch in Fragen ein, die auf den ersten Blick harmlos aussehen. Beispiele? Aber gern doch…

1. Muss man für einen Fantasyroman viel recherchieren?
(Will meinen: Für einen Fantasyroman braucht es doch keine Recherche, oder?)

Natürlich nicht. Da man ohnehin nur wirr vor sich herfabuliert – noch dazu über eine Welt, die es gar nicht gibt –, werfe man wahllos alles, was einem gerade in den Sinn kommt, in einen ausreichend großen Topf, koche das Ganze höchstens einige Millisekunden auf kleiner Flamme und bringe seinen Einhornelfendrachenmagierschule-Erguss sofort als in sich perfekt stimmiges, eigenständiges Werk zu Papier.

2. Wie ist der aktuelle Fantasyboom zu erklären?
(Will meinen: Fantasy kann doch anscheinend jeder schreiben, nicht wahr?)

Selbstverständlich. Einfach noch mal die Herr der Ringe-Filme in der Langfassung goutieren und schon kann’s losgehen mit dem Schreiben.

3. Weshalb finden besonders junge Menschen Fantasy interessant?
(Will meinen: Fantasy ist ehrlich gesagt doch mehr was für Kinder, hm?)

Unbedingt. Vor allem für solche Kinder, deren Eltern es schnurzpiepegal ist, mit welchem Müll sich ihre lieben Kleinen die Birne zuschütten. Solchen unverantwortlichen Banausen, die ihre Kinder viel zu spät (also erst mit acht oder neun Jahren) an den Zauberberg heranführen und Papageno für den Namen eines Friseursalons halten.

4. Warum sind viele Fantasyromane so lang?
(Will meinen: Kann man sich nicht kurz fassen, wenn man schon unbedingt solchen Schund abliefern muss?)

Nein, weil es zuviel Anstrengung erfordert, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – und weil man sich in der Szene daran misst, wer den Allerdicksten vorzuweisen hat (unter zweieinhalb Regalmetern pro Zyklus, der diesen Namen auch verdient hätte, geht leider gar nichts).

5. Warum spielen die meisten Fantasyromane in einem Quasi-Mittelalter?
(Will meinen: Sollte man nicht offen gestehen, dass Fantasyautoren weltfremde, reaktionäre Spinner sind?)

Erwischt. Gern würde ich diese Frage ausführlicher beantworten, aber ich habe noch ein Kettenhemd zu klöppeln und einen Morgenstern zu schnitzen, um für den Sturm auf den Bundestag mit anschließender Ausrufung von George R. R. Martin (oder wahlweise Patrick Rothfuss bzw. Steven Erikson respektive Joe Abercrombie und/oder Markus Heitz) zum Gottkaiser des Multiversums ausreichend gewappnet zu sein.

Moops-P.S. Für etwaige Verletzungen und Hirnschäden, die durch den übermäßigen Gebrauch von Sarkasmus entstehen können, übernehmen wir keine Haftung.

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