Donnerstag, 6. November 2008

Hundemenschen versus Katzenmenschen

Nein, das ist kein versteckter Hinweis auf ein neues Projekt. Obwohl… Verdammt, Dietmar Dath beackert das Feld mit Hybridgeschöpfen schon so fleißig, dass der Zug wohl abgefahren sein dürfte.
Egal. Worum es mir eigentlich ging, ist die küchenpsychologisch völlig entfesselte Frage, die einem gerne mal zu gesellschaftlichen Anlässen gestellt wird: „Bist du ein Hundemensch oder eher ein Katzenmensch?“
An diese Auskunftseinholung sind neben einem unsinnigen Hang zu dichotomem Denken seitens des Auskunftseinholenden hohe Erwartungen geknüpft. Mit nur einer einzigen Festlegung droht man, sein Innerstes preiszugeben.
Entscheidet man sich für Antwort A, wirkt man wie jemand, der bedingungslosen Zuspruch braucht und im Grunde seines Herzens von einem minderbemittelten Geschöpf abgöttisch geliebt werden will.
Wählt man Tor 2, gibt man zu erkennen, dass man erwachsen und sittsam mit einer Beziehung umgehen kann, in der beide Partner einander die nötigen Freiräume lassen.
Sofern die Frage, von einem Katzenfreund kommt. Umgekehrt – falls man einem Hundeliebhaber gegenübersteht – sieht die augurenhafte Deutung folgendermaßen aus:
Gibt man Antwort A den Vorzug, erweist man sich als geselliger Typ, dem man völlig unbefangen davon erzählen kann, wie man seinem Schäferhund neulich die Klöten mit Wundsalbe einreiben musste, weil der bedauernswerte Rüde unter einem absonderlichen Ausschlag leidet („Wir haben da so Grasmilben in Verdacht.“)
Schreitet man durch Tor 2, präsentiert man sich als verantwortungsloser Egoist, dem es eigentlich schnuppe ist, ob sein Haustier noch lebt oder bereits im Profil eines Breitreifens klebt.
Ein „Weder noch!“, „Da gibt es keine Präferenzen…“ oder „Ich hasse ausnahmslos alle Tiere.“ wird als Antwort nicht gelten gelassen oder wird als besonders verstörend empfunden (je nach Lautstärke und Gesichtsausdruck).
Das Internet weiß auch in diesem Fall Rat: In Zukunft halte ich es wie Jonathan Ware, schminke mich im Bad eben mal schnell zombieblass und antworte mit einem überzeugenden „I like turtles!“ Dieser Ausspruch eignet sich im Übrigen als Erwiderung auf eine Menge Fragen:
Kaffee oder Tee?
Sehe ich in diesem Kleid fett aus?
Mit oder ohne Gummi?
Warum dieser schwarze Rollkragenpullover?
Woher nehmen Sie Ihre Ideen als Autor?
Fürs nächste Interview fühle ich mich nun jedenfalls bestens gewappnet…

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