Donnerstag, 20. November 2008

Fliegen

In meiner Naivität war ich bisher der Auffassung, Fluggesellschaften sei daran gelegen, ihren Passagieren dahingehend ein Rundumwohlfühl-Paket anzubieten, dass man tunlichst darauf verzichtet, auf Risiken und Nebenwirkungen der Fortbewegung in einem mehrere Dutzend Tonnen schweren, in großer Höhe seine Kreise ziehenden und sich insgesamt recht rasant von A nach B bewegenden Wunder der Ingenieurskunst hinzuweisen. Dem ist nicht so. Abgesehen davon, dass vielen Gästen ohnehin wenig erfreuliche Szenarien über ein verfrühtes Ende der Reise in ausreichender Zahl durch den Kopf gehen, sah sich die Airline, der wir am Montag bei unserer Exkursion in die bayerische Landeshauptstadt unser Leben anvertrauten, offenkundig geneigt, noch ein bisschen nachzuhelfen.
Präsentiert wurde der betreffende Denkanstoß im Bordmagazin, dem ich eine erstaunliche Reihe nützlicher Informationen entnahm:
1. Die hiesige Obrigkeit kann die Zahl von Nachtflügen für Passagierflugzeuge aus Rücksichtnahme auf die Anwohner von Flughäfen reduzieren und gleichzeitig eine größere Zahl von Nachtflügen für Frachtmaschinen gestatten, ohne sich dabei völlig bekloppt vorzukommen.
2. Wenn sie nicht gerade von einem Hurrikan verwüstet wird, ist Jamaika „die Gute-Laune-Insel für das Leben zu zweit“.
3. Eine koberindähnliche Nachzüchtung heißt leider doch nicht „Wankyou“, wie ich zuerst las und was mir kurz Hoffnung gab, ein Genie könne gelebte Sexualität und leckeres Essen endlich einmal geschmackssicher vereint haben. Die gemeinten Bovinen nennen sich schlicht Wagyu, und das ist bedauerlicherweise nicht annähernd ein Viertel so lustig.
4. Mallorca hat jetzt noch einen Golfplatz mehr, den ich nie mit meiner Präsenz behelligen werde.
5. Wer umgehend in Immobilien in Florida investiert, kann vorgeblich echte Schnäppchen machen und mit wagyurindfetten Renditen rechnen.
6. Hier folgt nun der Anschluss an das Obengesagte: Jeder einzelne von uns ist durch Terroranschläge, Brandstiftung und Hackerangriffe aus dem Internet ständig Gefahren von nicht einzuschätzendem Bedrohungspotenzial ausgesetzt. Wie gut, dass Anfang Oktober in Essen eine Messe zum Thema Sicherheitstechnik stattgefunden hat, und wie gut, dass die Redakteure des Bordmagazins humorvoll genug sind, um ihren Lesern unaufdringlich ins Gedächtnis zu rufen, wie schnell die muntere Fahrt übers Wolkenmeer in einem furiosen Finale enden könnte.
Ich denke ernsthaft über eine Aboschaltung nach.

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