Donnerstag, 30. Oktober 2008

Kleidungsfragen

Neulich hat mich eine gute Bekannte gefragt, ob ich den Cordanzug, in den ich mich für die Autorenfotos geworfen habe, auch bei der Premierenlesung für die Zwerge tragen würde. Falls ja, müsste ich ihn anschließend immer anziehen, sobald ich mich in der Öffentlichkeit zeige, weil das dann ja mein Markenzeichen wäre.
Interessant. Was vermittelt so ein Cordanzug? Biederkeit oder postmoderne Koketterie mit dem Prinzip der Biederkeit (was allerdings auch schon wieder … na ja … bieder wäre)? Ist der Anzug zu braun und bringt mir vielleicht einen komplizierten Ruf ein, was meine politischen Überzeugungen anbelangt?

Alternativen als Markenzeichen wären:
1. ein fluffiger, mit Glitzerfäden durchwebter Schal. Vorteil: Mir wird bei keiner Lesung kalt. Nachteil: Sieht zu sehr nach David Bowie in den Siebzigern oder einem echt heruntergekommenen Sugar Daddy aus, der es noch mal wissen will.
2. ein ausgestopftes Schnabeltier. Vorteil: Ich bekäme doch noch das trendige Accessoire, mit dem ich mich ursprünglich auf dem Autorenfoto ablichten lassen wollte. Nachteil: Das Präparat nähme bei einer Reise zu viel Kofferplatz in Anspruch.
3. eine großflächige Gesichtstätowierung. Vorteil: Man würde mir eventuell abnehmen, wenn ich behaupte, mir wäre völlig wurscht, was andere über mich denken. Nachteil: Das kriege ich bis zur Lesung nicht mehr hin, weil das bis dahin nicht ordentlich abheilt.
4. zwei Pfund Gehacktes, das ich ins Publikum schleudere, falls ein Handy klingelt. Vorteil: Bleibt alles ruhig, kann ich die jeweilig aktuelle Ladung Gehacktes bei der nächsten anstehenden Lesung verwenden, was den dramatischen Effekt noch einmal steigert. Nachteil: Ärger mit meiner Haftpflichtversicherung.
5. ein Bolzenschussgerät vom Schlachthof, mit dem ich es zufällig ausgewählten Zuschauern erspare, weiterhin in einer Welt leben zu müssen, in der Frauen im Durchschnitt für die gleiche Arbeit schlechter entlohnt werden. Vorteil: Neben der Einbindung einer gewitzten Referenz an den von mir hochgeschätzten Cormac McCarthy in meine Auftritte würde mich Alice Schwarzer vielleicht mal auf ein Tässchen Tee einladen, obwohl ich Schwanzträger bin. Nachteil: Mein Zusammentreffen mit Frau Schwarzer müsste unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, da es gar nicht so leicht ist, eine Dreherlaubnis für die Geschlossene zu erhalten, wie uns das Fernsehen glauben machen will.

Es bleibt also beim Cordanzug. Vorerst…

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