Dienstag, 14. Oktober 2008

Kein Autor ist eine Insel

Zugegeben: Manche Autoren werden beim Insel Verlag veröffentlicht, doch das ist nicht dasselbe. Worauf ich mit dieser kurzen Verneigung vor Simmel und Donne hinaus will, ist der Umstand, dass man als Autor auf eine ganze Riege von freundlichen Mitmenschen angewiesen ist, die einem die Arbeit erleichtern und/oder möglich machen. Keine Angst: Es folgt an dieser Stelle nicht die zu befürchtende Lobeshymne auf meinen geschätzten Co-Autor und Sekretär. Ich möchte mich hier lieber einigen unbesungenen Helden zuwenden:
Zuvörderst seien die Lektoren bei Piper genannt, die den Zwergen von Amboss erst die Pforten zum Buchmarkt aufgestoßen haben: Carsten Polzin und Kerstin Claussen. Ersterer überzeugt nicht nur durch seinen hervorragenden Geschmack, was Kleidung, Frisur und Schuhwerk angeht; sein sicheres Gespür für Plotverläufe und Figuren hat dafür gesorgt, dass der Bestienjäger Siris von Wolfenfurt auch im zweiten Teil des Buches nicht zu kurz kommt – ohne Carsten Polzin gäbe es weder den Kanalligator unter Stahlstadt noch unsere persönliche Hommage an Angel Heart.
Kerstin Claussen leistete gemäß des zwergischen Ideals größtmöglicher Sorgfalt Dienste von unschätzbarem Wert. Dank ihr bleibt die geographische Integrität unserer Welt bis auf Weiteres gewahrt. Mehr noch: Sie gehörte zu den ersten, die uns versicherte, dass der bereits genannte Siris von Wolfenfurt eigentlich ein recht liebenswürdiger Kerl ist. Dies wiederum ließ mich kurz meine Berufswahl überdenken, da Männer, die mit einem Gewehr umzugehen verstehen und Tagebuch schreiben, unter Umständen doch besser ankommen als verweichlichte Schreiberlinge (Papa Hemingway lässt grüßen…).
Nicht weniger fruchtbar war unsere Zusammenarbeit mit Ralf Reiter. Als Kürzungen am Buch anstanden, um die verbliebenen Waldbestände dieser Erde und die Nerven unserer Leser zu schonen, wälzten wir diese Aufgabe aus feiger Betriebsblindheit für das eigene Geschreibsel an Ralf ab. Mit der Präzision eines plastischen Chirurgen entfernte Ralf überflüssiges Gewebe, und selbst wenn man dem Roman unter die Brüste schauen könnte, entdeckte man dort keinerlei Narben.
Alle drei genannten Lektoren sind der lebende Beweis, dass einen brauchbaren Vertreter ihrer Zunft mehr ausmacht als die Bereitschaft und Befähigung, Tippfehler zu finden (wie es der Volksmund bedauerlicherweise häufig sagt). Ein eingereichtes Manuskript entspricht nämlich noch lange nicht einem fertigen Buch (wie es so manch aufstrebender Jungschriftsteller vermutet).
Und gleich noch eine Binsenweisheit, die in die Welt hinausgeschrien gehört, hinterher: Ein Verlag besteht nicht nur aus Lektoren. Weiterer Dank gebührt den Menschen bei Piper, die dafür garantieren, dass eine Veröffentlichung auch wahrgenommen wird:
Birgit Bujard zeigte jedes Mal sympathisch-stoische Ruhe, wenn wir sie mit einem neuen Einfall belästigten (wir vermuten, sie schöpft diesen Gleichmut aus der unfassbar hochqualitativen Mucke, die sie in der Regel konsumiert). Monika Dobler mag zwar ein Krimi-Fan sein, aber sie stand trotzdem auch uns als Fantasy-Autoren immer hilfreich und freundlich zur Seite. Last but never least: Monika Reile, die "Herrin der Lesungen" - ohne sie kämen wohl nicht soviele aktuelle wie kommende Leser in den fragwürdigen Genuss, den Moops und mich einmal live zu erleben.

Kommentare:

Reitersmann hat gesagt…

Das mit den Brüsten finde ich super. Mein Ziel ist eine blutige Reality-Soap bei RTL: Prof. Dr. R. operiert knackige junge Romanluder.

Susanne hat gesagt…

Hi Kollege - supernettes Posting, das ich in absolut allen Teilen nur aus vollem Herzen unterschreiben kann (obwohl ich noch nicht in den Genuss gekommen bin, Ralfs Messer am Text mal selbst erleben zu dürfen ...)
Grüße vom Niederrhein!!