Freitag, 10. Oktober 2008

Gehört, gehört

Gehört haben die meisten von uns ein Hörspiel bestimmt schon mal – und wenn es nur Die drei ??? waren. Wie viele Angehörige seiner Generation verbindet mein Leitstern A in nostalgischer Verklärtheit ekstatische Entrückungszustände mit Serien wie John Sinclair oder Jan Tenner. Entsprechend begeistert war er auch, als wir die Gelegenheit erhielten, Drehbücher für Hörspiele zu schreiben.
In Sachen Handwerk ist das eine ungemein beeindruckende und förderliche Erfahrung. Es liegt auf der Hand, dass man seine Dialogfertigkeiten damit schärfen kann; Vorsicht ist bei der Übertragung auf Lesbares dennoch geboten, denn im Hörspiel nennen die Figuren einander etwas häufiger beim Namen, was dem geneigten Publikum als Orientierungshilfe dient und zugleich etwas von Seifenopernkonvention hat.
Hörspiel diszipliniert jedoch in anderer Hinsicht: Dinge, die in Romanen unter Umständen ausgezeichnet funktionieren würden, weil man ausreichend Raum für Erzähltext hat, wirken in Hörspielen aufgrund der nötigen Reduktion leicht etwas albern (wie etwa ausschweifendste Figurenbeschreibungen oder Landschaftsbeschreibungen). Selbiges gilt für Szenen, in denen eine Figur allein durch die Gegend streift; wenn man nicht aufpasst, wird so vor allem bei unbedarften Hörern der Eindruck erweckt, die betreffende Figur hätte nicht alle Nadeln an der Tanne, weil sie ständig mit sich selbst redet.
Ungefähr so:

Ganz schön dunkel hier in diesem Keller. Ich seh ja nicht mal die Hand vor Augen. Halt! Was war das für ein Geräusch? Ich geh mal besser schnell weiter. Und was stinkt hier eigentlich so unangenehm? Bin ich wo reingetreten? Das hätte mir gerade noch gefehlt. Was habe ich überhaupt solche Angst? Ich darf nicht vergessen: Ich bin ein tapferer Privatdetektiv, der sich unerschrocken allerlei okkulten Phänomenen stellt. Ich muss nachsehen, ob ich was am Schuh kleben habe. Aha! Werwolfslosung!

Und so weiter.

Das größte Kreativpotenzial steckt jedoch zweifelsohne in der Ausarbeitung einer schönen Erzählsituation. Nur die wenigsten Hörspiele kommen gänzlich ohne Erzähler aus, der das Geschehen kommentierend vermittelt. Als gründlich denkender Plot-Neurotiker stellt sich da sofort die Frage: Wer erzählt da? Und warum?

Wer mal schauen bzw. hören möchte, wie wir mit diesen Dingen umgegangen sind, folge bitte diesen Links:
weirdoz* - für die wir gerade ein paar spannende Sachen gemacht haben
Hörprobe aus Sacred: Der Schattenkrieger
Die Genies, die dann unsere Texte umgesetzt haben

Moops-P.S. Warum heißt die Serie eigentlich "Die drei ???"? Sind das dann nicht eher neun Fragezeichen? Von wegen "Die drei drei Fragezeichen", aber auch darüber haben sich andere bestimmt schon reichlich ausgelassen...

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