Montag, 22. September 2008

Retrospektive: Teil 1 - Zwerge und Sozialismus

Ach ja, wenn ich so auf die letzten Jahre zurückschaue, dann hat sich einiges getan. Sagte ich das bereits an anderer Stelle? Macht ja nichts. Wiederholungen festigen das Gelernte.

Alles ist im Fluss (hier in Hamburg wäre das die Elbe). Wie könnte es mit unserem Konzept für eine Fantasywelt, die nicht auf leiernden Minnesang und selbstgefällige Könige, sondern auf zünftige Marschmusik und fleißige Vorarbeiter setzt, anders sein?

Die Reihe erscheint jetzt unter dem Titel "Die Zerrissenen Reiche" bei Piper, und der erste Band mit dem Titel "Die Zwerge von Amboss" wird bereits am 22.10.08 die Buchläden unsicher machen.

Als kleiner Vorgeschmack zunächst einmal der Klappentext:

Eine mysteriöse Serie von Anschlägen auf namhafte Zwerge erschüttert die Industriestadt Amboss. Der Ermittler Garep Schmied versucht den Vorgängen auf den Grund zu gehen und stößt dabei auf eine Verschwörung, die sich Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit zunutze macht, um einen schrecklichen Krieg anzuzetteln. Zur gleichen Zeit sucht einen Kontinent entfernt ein menschlicher Bestienjäger aus den von religiösen Konflikten zerrütteten Ländern der Menschen nach seiner verschwundenen Schwester - eine Reise, die ihn schließlich in die Heimat der Zwerge führen wird und ebenfalls zum Ziel der Verschwörer macht.

Und gleich hinterher ein wenig Erläuterndes aus unserem hochinformativen Werbeblättchen:

Pistolen statt Äxte, Eisenbahnen statt Pferde, Kapitalismus statt Feudalgesellschaft. Die allermeisten Fantasy-Romane sind in einem Quasi-Mittelalter angesiedelt, aber muss das so sein? Was geschieht, wenn man sich mal bei einer ganz anderen Epoche bedient? "Die Zwerge von Amboss" beantwortet diese und andere Fragen mit einer spannenden Mischung aus Thriller, Fantasy- und Abenteuerroman.

Grundansatz der Reihe ist es, Ideen und Klischees, die man aus dem Fantasy-Genre kennt, aufzugreifen und konsequent weiterzuentwickeln.

So, jetzt ist es raus. Und was wollen uns die Autoren damit sagen?

Nehmen wir zum Beispiel die Zwerge. Bärbeißige, grimmige Gesellen, die aufgrund ihrer genetischen Disposition breite Schädel, dicke Bäuche und starken Haarwuchs entwickeln - und nebenbei häufig das Volk sind, das prozentual die meisten brauchbaren Handwerker, Techniker und Architekten in einer Fantasy-Welt stellt. Ja, die Elfen können toll singen und haben auch zweifelsohne einen grünen Daumen, für den jede Hobbygärtnerin aus der Vorstadtsiedlung töten würde, aber wir trauen es ihnen nicht zu, ein
funktionierendes Artilleriegeschütz und ähnliche Freuden des technologischen Fortschritts zu bauen.

Was passiert also, wenn die Zwerge die pelzigen Arschbacken zusammenkneifen und mal ordentlich Dampf machen? Richtig, sie könnten es in der Welt weit bringen - Gewehre und vergleichbare Werkzeuge zur Erleichterung großflächiger ethnischer Säuberungen waren ja bei der Ausbreitung des weißen, angeblich zivilisierten Mannes auf unserem Globus nicht ganz unschuldig.

Technologischer Fortschritt hat allerdings auch so seine Tücken. Maschinen übernehmen nun die Arbeit, die es früher einem anständigen Zwerg erlaubt hat, seine Sippe zu ernähren, und mittlerweile frisst die industrielle Revolution ihre eigenen Kinder.

Klingt irgendwie politisch? Alles ist politisch.
Ist das gerecht?
Nun, ist es gerecht, dass die Manufakturbetreiber immer höhere Boni einstreichen, während der einfache Zwerg auf der Straße nicht mehr weiß, womit er seinen Rübenschnaps bezahlen soll?
Ist es gerecht, dass die Menschen in den Zwergenbund kommen und den Breitschädeln die Haare vom Hintern fressen, nur weil bei den Langschädeln zuhause keiner das Wort "Vernunft" buchstabieren kann?
Ist es gerecht, dass skrupellose Forscher schaurige Experimente an jungen Halblingsdamen anstellen, um sie zu Waffen in einem anstehenden Krieg zu machen?
Ist es gerecht, dass ein zwergischer Ermittler von einem Zugdach in einen eisigen Gebirgsfluss springen muss, weil er herausfinden wollte, wer einen angesehenen Komponisten auf dem Gewissen hat?

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, worum es uns geht, und warum wir tun, was wir tun.

Außerdem hoffe ich, dass man auch bemerkt, wie viel uns am Genre der Fantasy liegt und wie sehr uns unsere Zwerge in den letzten Jahren doch ans Herz gewachsen sind. Selbiges gilt übrigens auch für die drei Lektoren, die quasi zu Geburtshelfern unserer Idee wurden: Ohne Carsten, Kerstin und Ralf wären die Zwerge nämlich sicher nicht so weit gekommen.

Band 2 ist bereits abgegeben und aktuell flattern uns die Entwürfe für das Cover ins Haus.

Apropos Cover - hier der Link zur Buchseite bei Piper:

http://www.piper-verlag.de/fantasy/buch.php?id=13116&page=suche&auswahl=a&pagenum=1&page=buchaz&PHPSESSID=3653602766fc50321231acaa275f4535

Und hier das "große Cover", auf das Ole und ich mächtig stolz sind:


Beim nächsten Mal lasse ich mich etwas privater über unsere neue Heimstatt aus - so im Stile einer Gala-Homestory, aber in den Westflügel, in dem ich derzeit residiere, kommen mir keine Kameras rein...

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