Dienstag, 30. April 2013

Eine Alternative ist keine Quote

Die wenigsten werden es wissen: Ich habe ein großes Herz für Klein- und Kleinstparteien. Neuerdings zum Beispiel auch für die AfD. Mich spricht da zum Beispiel bereits das Logo außerordentlich an. In erster Linie deshalb, weil ich den Swoosh von Nike so mag (das Ding, das ein bisschen nach einem dickem Filzstift gezeichnetem „Ist schon korrekt so“-Häkchen aussieht). Das erinnert schon stark an das AfD-Logo. Nur, dass der Swoosh einmal quer durch Photoshop geprügelt wurde, bis es zu einem richtig hübsch phallischen Pfeil umgemodelt war. Der Prengel zeigt dann auch wenig überraschend verhältnismäßig steil nach rechts oben.

Verzeihung. Das ist ungerecht. Die AfD – oder lang: Alternative für Deutschland – will natürlich keine rechtspopulistische Partei sein. Sie handelt ja nach eigenem Bekunden auch ausdrücklich aus dem hehren Ansinnen heraus, unseren südlichen Nachbarn auf unserem kleinen Kontinent dringend aus der Patsche helfen zu wollen. Und mit einem Namen wie Alternative für Europa würde man derzeit wohl kaum Wählerherzen gewinnen (von Alternative für Südeuropa – oder vielleicht auch gleich Rettung für Südeuropa – einmal ganz zu schweigen). Nein, nein. Der Name ist schon klug gewählt – so kann man wenigstens darauf hoffen, dass einige verwirrte Alternative ihr Kreuzchen am falschen Platz machen. Oder eben am richtigen. Alles eine Frage der Perspektive. Wie immer.

Etwas befremdlicher waren die Texte, die man auf der Homepage der AfD finden konnte, als man sich vor einigen Wochen daranmachte, einen Bundesvorstand zu wählen (diese Texte sind leider nicht mehr einsehbar, was einen unschätzbaren Verlust für die Geschichte der Realsatire darstellt). Genauer handelte es sich bei diesen vor uns Säue geworfenen Perlen im Grunde um die Bewerbungsschreiben diverser Parteimitglieder auf die begehrten Vorstandssitze in Bund und Ländern. In einem von diesen stieß ich auf ein denkwürdiges Bekenntnis. Die betreffende Bewerberin hatte ihr ganz eigenes Motto geprägt, um ihre Unzufriedenheit mit dem Allgemeinzustand der Staatsfinanzen innerhalb der EU zum Ausdruck zu bringen:

Der Euro ist kein Menschenrecht.

Was für ein perfider, genialer Schachzug! Wirklich beneidenswert. Endlich einmal ein Motto, dem tatsächlich niemand auch nur ansatzweise widersprechen könnte. Selbiges gilt übrigens auch für die folgenden Mottos:

Ein Frosch ist kein Klavier.

Eine Zigarettenschachtel ist keine Einbauküche.

Die D-Mark ist kein Verfassungsschutz.

Apropos Verfassung. Eine Aufgabe der Parteien besteht darin, zur politischen Willensbildung beizutragen. Das ist zwar eine knifflige Sache, aber bei mir ist das der AfD durchaus gelungen. Jetzt weiß ich wenigstens mal wieder, was ich nicht will.

Etwas schwerer dürften es da die Anhänger der Union haben. Nicht die der europäischen, sondern die der christdemokratischsozialen, die momentan die Bundeskanzlerin stellen. Diese ganze Nummer mit der Frauenquote ist doch ziemlich verwirrend.

Kurzer Einschub: Wer jetzt jammert, eine Quote würde die Frauen in die gar grässliche Situation bringen, nicht ihrer Leistung, sondern nur ihres Geschlechts wegen an bestimmte Positionen gelangt zu sein, glaubt allem Anschein nach ernsthaft, Beförderungen und Stellenvergaben in der freien Wirtschaft funktionierten einzig und allein nach einem nüchtern neutralen und durch und durch objektiven Leistungsprinzip (und schreibt in seiner Freizeit an den Nordpol adressierte Wunschlisten).

Kurzer Einschub, die zweite: Wer jetzt darüber klagt, dass durch eine Quote in irgendwelchen Aufsichtsräten nichts für die Frau bei Penny an der Kasse erreicht wäre, dem sei versichert, dass nichts dagegen spricht, eine Männerquote an Discounterkassen einzuführen – gleichwohl die symbolische Wirkung dann ein klitzekleines bisschen geringer ausfallen dürfte.

Zurück zur Union. Jetzt hat man also beschlossen, dass eine Quote prinzipiell nichts ist, was den Fortbestand unseres Universums oder auch nur unserer schönen Republik gefährdet. Und dass man ruhig mal ins nächste Parteiprogramm reinschreiben kann, wann man den so eine Quote einführen möchte. So in sieben Jahren etwa (man achte unbedingt auf die magische Zahl; andere Kandidaten wären die zwölf, die dreizehn, die 42 oder die 144 gewesen). Ungeachtet dessen, dass der Bundestag eigentlich nicht der vorgesehene Ort ist, um parteiinterne Nickeligkeiten zu klären.

Ich hoffe schwer, dass sich diese Taktik im Falle eines Regierungswechsels im Herbst auch bei anderen Parteien durchsetzt. Die Grünen könnten dann den Bundestag dazu missbrauchen, sich auf eine der Forderungen aus ihren Jugendtagen zu besinnen und eine Gesellschaft ohne Polizei und Militär anzukündigen – ab 2157, wohlgemerkt. Und die SPD vereinbart mit dem gleichen Verfahren endlich einen festen Termin für die Aufstellung von Kanzlerkandidaten, die tatsächlich guten Gewissens wählbar sind – wenn die Hölle zufriert.

(P.S. Hier noch ein kleines (englisches) Video bezüglich ausbleibender Weltuntergänge aufgrund politischer Entscheidungen. Warum hält nicht mal ein deutscher konservativer Politiker so eine Rede? Ist vielleicht besser so, dann fällt die Wahlentscheidung nicht so schwer.)

Donnerstag, 4. April 2013

Ich werde jetzt Scheich

Nun, fast. Aber in Zeiten des Internets ist jeder billige Trick zur Erzeugung von Aufmerksamkeit zulässig. Eigentlich hat sich Folgendes zugetragen: Meine Holde kehrte von einem Turnier zurück und stellte fest, dass ihr Team das einzige war, das keinen Sponsor vorzuweisen hatte. Es herrschte also große Trauer, und ich rief meinen guten Kumpel Jonas Wolf an, ob er bereit wäre, mir aus der Patsche zu helfen. War er. Und darum sind die Trikots, die die Trauer auslösten, nun nicht mehr blank. Stattdessen sehen sie jetzt so aus: 

Jonas Wolf erwartet natürlich fortan triumphale Siege. Drunter macht er’s nämlich nicht.

Apropos Herr Wolf: Der gute Mann sitzt noch an seinen Betrachtungen zu Elfen und an seinem nächsten Band aus der Welt des Skaldats, weswegen Christiansen und meine Wenigkeit ihn anlässlich einer Lesung in der Stadtbibliothek Rostock (hoffentlich) würdig vertreten haben. Für mich zumindest war es eine ganz zauberhafte Jungfernreise in die Hansestadt, die mich einiges lehrte. Unter anderem, dass ein Raucherzimmer ohne Aschenbecher immer noch ein Raucherzimmer ist und dass Kinder das aufmerksamste und kritischste Publikum sind, das man sich vorstellen kann. Vor allem dann, sobald über Hobbits diskutiert wird.

Kurz zuvor verschlug es mich auf ein Konzert der Killers (und den Kraftklubhörern kann ich versichern: ja, sie waren es wirklich, und die Platte ist nicht gesprungen). Zweimal durfte ich Zeuge werden, wie die „typische“ US-amerikanische auf die „ebenso typische“ bundesrepublikanische prallte. Frontmann Brandon Flowers verkündete irgendwann stolz, das neue Album sei ja nach dem Motto auf der Flagge des Bundesstaats Nevada benannt: Battle Born. Nicht minder stolz ließ er die versammelten Menschen wissen, dass ihm das Motto am Hamburger Rathaus ebenfalls sehr gut gefallen habe. Ich liefere mal die deutsche Übersetzung aus der Wikipedia, weil Latein nun bekanntermaßen eine untote Sprache ist (nein, der Vatikan zählt nicht!): Die Freiheit, die die Älteren erwarben, bemühe sich die Nachkommenschaft würdig zu hüten. Reaktion des Hamburger Publikums: Verwirrte Blicke und die allseits gemurmelte Frage „Seit wann haben wir denn so ein Motto?“

Kurze Zeit später fragte Flowers beim Publikum nach, ob es denn die Tanzschuhe eingepackt habe. Natürlich hatte es das. Ob es denn auch Lust hätte, so richtig abzutanzen. Selbstverfreilich. Mir schwante Übles und so kam es denn auch: From Here On Out ist, wenn man es wohlmeinend formulieren will, eine passable Uptempo-Countryrocknummer, mit der sich in den USA stimmungsmäßig sicher punkten lässt. Hierzulande hielt sich die Begeisterung sehr in Grenzen und ich habe nirgendwo einen Tanzschuh glühen sehen. Merke: Offenbar ist die Schnittmenge der Fans der Killers mit denen von Boss Hoss nicht sonderlich groß. Und Americanakram funktioniert in Amerika einfach besser.

Ich hatte bei den Killers übrigens einen Sitzplatz. Ich bin alt, und die Hüfte knarzt. Wenig später schaffte es meine Frau dennoch, mich und unsere zauberhafte Begleitung dazu zu bewegen, bei einem anderen Konzert in der ersten Reihe durchzuhalten. Wer mich kennt, weiß wahrscheinlich, wie gern ich mich in größeren Menschenmengen aufhalte – nämlich ungefähr so gern wie in lebenden Gewässern oder Pumakäfigen. Ein Unbekannter hat meine Tapferkeit dankenswerterweise in Ton und Bild festgehalten. Wer mich allein am Schattenriss meines Quadratschädels erkennt, wird seine helle Freude an dieser Aufnahme haben.

Und wo wir gerade beim Thema größere Menschenansammlungen sind: Mich hat es zum ersten Mal seit Ablauf des letzten Jahrtausends unlängst wieder einmal in ein Fußballstadion verschlagen. Interessante Beobachtungen: Damals gab es noch keine fest integrierten Verkaufsstände, an denen man Lattes to go hätte erwerben können. Im Fußball gilt der alte Spruch „Früher war mehr Lametta“ definitiv nicht. Was es früher jedoch auch schon gab, war das eine obligatorische rundliche Kind, das mit den Profis vor dem Anpfiff auflaufen durfte. Man hat aber insofern dazugelernt, dieses Kind nun so in der Aufstellung zu positionieren, dass sein Rückweg ein Stück kürzer ausfällt und es ihm erspart bleibt, als Letzter wieder vom Platz runter zu sein. Ich halte also fest: Unsere Gesellschaft ändert sich, wenn auch nur in kleinen Schritten. Ansonsten glänzte das Spiel durch einen frühen Rückstand der Heimmannschaft, die auch noch zwei gelbrote und eine zurückgenommene (!) rote Karte in der etwas hektischen Schlussphase einstecken musste. Ich bedanke mich jedenfalls bei einem rundum knuddeligen Kollegen und seinen Freunden in aller gebotenen Herzlichkeit für dieses Abenteuer.

Aber auf den Dom kriegt mich trotzdem so schnell keiner ...

Sonntag, 13. Januar 2013

Ich bin zurück


Ich wurde unlängst durch einen sehr guten Freund auf einen äußerst tragischen Umstand hingewiesen: Mein letzter, nun schon eine ganze Weile zurückliegender Eintrag hier, vermittelt ungewollt den Eindruck, mir sei beim Besuch des Kernkraftwerks in Krümmel etwas Schreckliches zugestoßen.

Ich darf sagen: Dem ist nicht so. Im Gegenteil, denn im Zuge meines Ausflugs konnte ich einiges an interessanten Dingen mitnehmen. Die Rede ist von Eindrücken, die sogleich in einen Roman eingeflossen sind, und (bedauerlicherweise) nicht von Superkräften. Will meinen: Ich musste auch im letzten halben Jahr das Verbrechen auf die altmodische Art bekämpfen. (Und das Angebot des geschätzten Kollegen Jonas Wolf ausschlagen, eine seiner Stationen im Erdorbit als zukünftige Basis für meine Unternehmungen zu nutzen).

Zu meiner Schande habe ich in der Zwischenzeit so manches an Ereignissen im näheren Umfeld und in der großen weiten Welt unkommentiert gelassen, was durchaus kommentierenswert gewesen wäre. Als kleine Entschädigung – auch vor mir selbst und meinem ansonsten ja bekanntermaßen tadellosen preußischen Pflichtgefühl – hier nun ein kleiner und vollkommen ungeordneter Schnelldurchlauf:
   
*  * Disney kauft sich Star Wars. Finde ich dufte. Das ist keine Ironie. Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.

-     * In Berlin wird ein Flughafen nicht fertig, und in Hamburg wartet man noch immer auf die Eröffnung der Elbphilharmonie. Ersteres ist mir wurscht (ich fliege ohnehin in etwa so gern, wie ich mir einen Harnröhrenabstrich machen lasse), Letzteres ist zum von gesundem Fatalismus geprägten Normalzustand geworden.

-       * Die SPD hat einen Kanzlerkandidaten gefunden. Kleiner Tipp: Das nächste Mal bitte jemanden mit Haaren nehmen, der Angela Merkel auch optisch etwas entgegenzusetzen hat. Ach ja, und Finanzpolitiker sind definitiv nie sexy.

-        * Auf einem Harry-Potter-LARP einen holländischen Heiratsschwindler gegeben. Früh verstorben (Drama!), aber unvergessen. Ebenso wenig wie der Augenblick, in dem man als Satyr verkleidet rauchend in einer Waldschule herumsteht (komplett mit imposantem Phallus ... also der Satyr, nicht die Waldschule) und zwei ältere Damen in Übergangsjacken an einem vorbeiradeln und den Blick sehr starr geradeaus gerichtet halten. Liverollenspiel – ein Hobby wie jedes andere auch.

-     * Zehntägiger Aufenthalt in London. Fazit: 14 von 16 Programmpunkten geschafft (inklusive eingeschobenem und erstaunlich abenteuerlichem Sockenkauf). Randnotiz: Das britische Fernsehen ist dem unseren auch im Alltagstest nachweislich überlegen.

-     * Kurze Verwirrtheit angesichts der irgendwo bei einer größeren Tageszeitung aufgeschnappten Schlagzeile „Apple bringt Jobs zurück“. Nachhaltige Erleichterung bei der beruhigenden Erkenntnis, dass da noch nur die Rede von Arbeitsplätzen ist. Glück gehabt.

-      * Erstkontakt mit der Hobbit-Verfilmung (in der bildratenmäßig aufgebrezelten Fassung). Urteil: Kann man definitiv machen, auch wenn der Film sich an manchen Stellen nicht so recht entscheiden will, ob Pathos oder Slapstick auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. Ansonsten würde ich gern einmal einen Streifen komplett ohne Spezialeffekte sehen, der die neue Aufnahmetechnik verwendet.

-    * Einige spannende neue Projekte in Angriff genommen. Merke: Manuskripte profitieren von Überarbeitungen (es sei denn, man ist nachgewiesenermaßen ein Genie wie Kollege Wolf).

-     * Hier im Hause bricht die Lego-Sammelwut aus, entfesselt durch einen harmlosen Erreger (eine Gandalf-Figur, die sich die Frau des Herzens zur Konsumorgie namens Weihnachten wünschte). Ich habe festgestellt, dass mir der Rückbau von Modellen mehr Freude bereitet als das vorangegangene Zusammenpfriemeln. Vielleicht auch eine valide Strategie für den eben erwähnten Flughafen und die Philharmonie?

-     * Große Aufregung um Überarbeitung von Kinderbuchklassikern (in Internetkommentaren gern sogleich als himmelschreiende Zensur völlig falsch eingeordnet). Plädiere für kommentierte Fassungen, ungeachtet dessen, ob es nun um Chinesenmädchen oder durchgewichste Kinder geht.

-       * Apropos Klassiker: Knechtschaftspartei in seinem Kerker hat absolut das Zeug dazu. Dieses Werk liefert zudem den Beweis, dass Lektoren und Übersetzer trotz aller Segnungen der modernen Technik noch nicht gänzlich überflüssig geworden sind.

Und im Moment so?

Derzeit unterstütze ich gemeinsam mit Herrn Christiansen den bereits erwähnten Kollegen Wolf bei seiner Arbeit an einem neuen „Alles über ...“-Buch. Diesmal braucht er uns, um seine Auslassungen über Elfen zu kommentieren. Danach setzte ich mich an den dritten Skaldat-Roman, zu dem ich nur so viel sage: Rübenritter.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Fertige Hobbits, beendete Urlaube und Ausflüge mit Praktikantin

Jonas Wolf hat vor einigen Wochen Vollzug gemeldet. Er ist fertig mit seinem heiteren Hobbit-Sachbuch, und Christiansen & Plischke haben inzwischen auch ihren Fußnotensenf dazugegeben. Schön war’s, auch wenn wir uns alle drei haltlosen Unterstellungen ausgesetzt sahen: Angeblich hätten wir vor, den Hobbit in den Schmutz zu ziehen.

Da kann ich Entwarnung geben. Allen Ernstes: Ich mag Hobbits, und zwar in allererster Linie deshalb, weil sie der Beweis dafür sind, dass in der Fantasy nicht zwingend der Held mit dem längsten Schwert und der härtesten Rüstung dazu ausersehen ist, die Welt zu retten. Wer jetzt sagt, das wäre aber schrecklich unrealistisch, möge bitte in Zukunft nur noch historische Romane lesen und sich bei deren Lektüre einbilden, er bekäme realistische Realität serviert.

Ansonsten habe ich mit den anderen beiden Mitgliedern der Dreierbande eine Woche Urlaub im Wendland hinter mir. Merke: Dort bei offenen Fenstern sehr laut Rammstein zu hören, löst bei den Einheimischen einiges an besorgter Verblüffung aus. Der Aufenthalt verlief insgesamt sehr entspannt: Nur zwei Anfälle von akutem Lagerkoller in Form divenhafter Ausraster in sieben Tagen ist für ein so durch und durch urbanes Geschöpf wie mich eine beachtliche Leistung. Umso mehr wenn man berücksichtigt, dass das Zusammentreffen mit rund 60 Personen mitten im Nirgendwo vorrangig dem gemeinsamen Brett- und Rollenspielen diente und ich so ungefähr der schlechteste Verlierer der Welt bin. Warum ich dann überhaupt irgendetwas spiele, wo ich doch schon so genau weiß, dass ich das nicht sehr gut verknuse? Nun, weil es zum unvergleichlichen Zauber fester Beziehungen gehört, bisweilen unter Einsatz von sanftem psychologischen Druck zu Dingen gezwungen zu werden, die alles andere als förderlich für die eigene Psychohygiene sind.

Kommen wir zu erfreulicheren Dingen: Nerdistan befindet sich im Umbruch. Will meinen: Wir schauen da gerade noch mal drüber, um die letzten Fehlerchen zu bereinigen.

Dafür haben wir uns tatkräftige Unterstützung geholt. Wir haben seit einigen Tagen eine Praktikantin, die mit Talent und Eifer bei der Sache ist. Schockierend ist jedoch der Alltagssexismus, mit dem ich mich konfrontiert sehe, wenn ich von der Existenz dieser jungen Frau berichte: Viele meiner Geschlechtsgenossen verbinden dank eines gewissen US-Präsidenten das Wort Praktikantin sofort mit anderen Begriffen wie Zigarre oder Cocktailkleid. Schön ist das nun wirklich nicht. Vor allem deshalb, weil wir ein ziemlich umfangreiches Programm ausgearbeitet haben, damit unser Schützling möglichst viel aus der Zeit bei uns mitnehmen kann. Dazu gehört auch – und sei es nur, um das Klischee zu erfüllen – Kaffeekochen, aber hauptsächlich allerlei Tätigkeiten, mit denen man sich als freiberuflicher Autor und Übersetzer so den lieben langen Tag beschäftigt. Ich sag’s mal so: Einen faulen Lenz kann man sich bei uns nicht machen.

Allerdings haben wir auch einen gemeinsamen Betriebsausflug zwecks Recherche für ein neues Buch geplant. Unser Weg wird uns ins schöne Geesthacht an der Elbe führen, genauer gesagt zum Kernkraftwerk Krümmel. (Anmerkung: Sämtliche Witze zum Thema Verstrahlung wurden in diesem Zusammenhang bereits gemacht.) Falls ich gesund von diesem Abenteuer des Alltags zurückkehre, schreibe ich vielleicht sogar ein paar Zeilen dazu. Sollte ich hingegen von einem radioaktiv verseuchten Schaf gebissen werden und entsprechende Superkräfte erhalten (voll den wolligen Rücken haben, total laut blöken, am laufenden Band Köddel produzieren etc.), bin ich auf absehbare Zeit wahrscheinlich leider mit der Verbrechensbekämpfung beschäftigt.

Apropos Helden: Dieser Tage ist Heldenzorn erschienen, der zweite Band aus unserer epischen Fantasyreihe, die in der Welt des Skaldat angesiedelt ist und für die wir eigens Freundschaft mit Jonas Wolf geschlossen haben. Der nächste Band ist auch schon in trockenen Tüchern, wobei ich an dieser Stelle nur ein einziges Wörtchen zur geplanten Handlung verraten möchte: Kartoffelritter. Okay, zwei Wörtchen. Reithunde. Aber das muss nun wirklich genügen ...

Dienstag, 15. Mai 2012

Nerds, Serienkiller, Hobbits, hohe Kunst und der Fluch der Wikipedia

Neulich fiel mir auf, dass mein Eintrag in der Wikipedia ganz schön veraltet ist. Man könnte anhand des Artikels dort fast den Eindruck gewinnen, ich arbeitete den ganzen Tag nichts und würde mich ausschließlich damit beschäftigen, meine sieben- bis achtstelligen Tantiemen und Vorschüsse in meine Haflingerzuchten, meine Kickerteams und meine Biokoks-Plantagen in Lateinamerika zu versenken. (Wenn mein Leben so aussähe, würde der Rest der Knete übrigens – in Anlehnung an George Best  – einfach nur sinnlos verprasst.)


In Wahrheit komme ich im Augenblick nicht mal dazu, meine Homepage rundzuerneuern, weil Abgabetermine dräuen und Texte nach wie vor leider erst geschrieben werden müssen, ehe man sie irgendwo veröffentlichen kann (von wegen schöne neue Welt und Leben in der Zukunft und so ...). Glücklicherweise bin ich einigermaßen gut vernetzt und wurde vom unvergleichlichen Denny Vrandečić darauf hingewiesen, dass auch eine Meldung hier im Blog dazu genutzt werden kann, meine Wikipediapräsenz etwas zu entstauben. Tausend Dank dafür!


Und weil ich mich schon länger an dieser Stelle nicht mehr zu Wort gemeldet habe, wird da auch gleich ein echtes Monstergefasel draus.

Also: Was haben mein geschätzter Co-Autor und ich so in jüngster Zeit ausbaldowert?


Zum Beispiel das hier:
Nerdistan – Willkommen in der fantastischen Welt der Nerds. Warum haben wir das getan? Zum einen war es uns ein dringendes Bedürfnis, mal unsere persönliche Liebeserklärung an den Nerd zu verfassen (das hat in unserem Fall natürlich auch etwas Masturbatorisches, aber lassen wir das ...). Zum anderen war uns vor einiger Zeit aufgefallen, dass viele Menschen – insbesondere solche, die sich schon das eine oder andere Jährchen länger auf diesem demnächst verbrauchten Planeten tummeln – etwas wunderliche Vorstellungen davon haben, was ein Nerd denn nun überhaupt ist. Insbesondere ein Nerd neuerer Prägung, der mit dem alten „sozial inkompetenter Computerfreak ohne jeglichen Sexualanschluss oder eigene Wohnung“ nur höchst unzureichend beschrieben ist. Thx, liebe Piraten, dass ihr ungewollt in erheblichem Maß dazu beigetragen habt, dass dieses an sich überholte Bild inzwischen wieder in allen Medien – den alten wie den sogenannten neuen – geradezu erdrückend präsent ist. Hoffentlich kann Nerdistan ein klitzekleines bisschen dafür sorgen, dass dieses Bild geradegerückt wird. Wir stellen darin verschiedene Nerdtypen vom generischen Nerd bis zum Tarn-Nerd vor und treten generell eine wilde Achterbahnfahrt durch alle Bereiche des Nerdlebens an, die Spaß machen und schmecken.


Über Autopilot habe ich glaube ich schon mal geredet, wiederhole das aber frech aus den oben erläuterten Gründen. 
Autopilot ist unser Beitrag zur Justifiers-Reihe, und weil wir nicht anders können, haben wir uns die Dinge aus diesem Scifi-Universum herausgepickt, die uns besonders skurril erschienen sind. Dazu zählen unter anderem beinlose Angorakatzen (und die Klärung der Frage, wie diese Viecher ihre Ausscheidungsvorgänge vornehmen), ein Mensch-Nacktmull-Hybridwesen als Sidekick eines abgehalfterten Privatdetektivs, ein Luxusresort voller reicher Schnösel, ungezügelter Drogenkonsum, Prostitution von und mit Tiermenschen und derlei schöne Dinge mehr. Das Ganze ist dann am Ende eine Art Actionkrimi geworden (inklusive Gleiterverfolgungsjagd, Blasrohrattacken und peinlichen Gesprächen in Antigrav-Dampfbädern). Daher steht auf dem Ding auch mein Name drauf.

Wo mein Name nicht draufsteht, sind diese beiden Romane drin: Heldenwinter und Heldenzorn. Warum ist das so? 
Weil Jonas Wolf in unser Leben getreten ist und uns gebeten hat, ihm bei der Umsetzung seiner Ideen in Sachen klassischer Fantasy liebevoll unter die Arme zu greifen. Jonas ist ein eher exzentrischer Gesell mit einer Vorliebe für lila Anzüge und das Streicheln von Geierhälsen in seiner Privatvoliere (weil ihn das angeblich an seine Kindheit erinnert). Über den Weg gelaufen ist er uns in einem heißen Fiebertraum, über dessen genauen Ablauf ich hier aus Gründen des Jugendschutzes keine näheren Angaben machen will. Er behauptet, er habe zwei Väter – nämlich meinen Co-Autor und mich; nimm das, grausame Biologie! –, und weil man den verlorenen Sohn nicht verstößt, wenn er mit ein, zwei Manuskripten heimkehrt, hat er bei uns selbstverständlich freundliche Aufnahme gefunden. Sowohl Heldenwinter als auch Heldenzorn spielen in einer Welt, die Jonas sich ausgedacht hat und in der mehr oder minder edle Recken auf Abenteuer ausziehen: einmal ein Halbling namens Namakan, dem bis auf seinen Ziehvater seine gesamte Familie in einem kleinen Massaker abhandenkommt, und einmal der Schamanenazubi Teriasch, der in die Fänge eines gar bösen Imperiums von Sklavenhaltern gerät. Beide sind vom Schicksal also schwer gebeutelt, aber das gehört so. Wer uns nicht glaubt, glaubt vielleicht Therapy? („Happy people have no stories“) oder Kraftklub („glückliche Menschen sind nicht interessant“).


Was die wenigsten wussten: Jonas ist auch eingefleischter Hobbitkundler, und da Bescheidenheit im Vergleich zur sympathischen Selbstüberschätzung die schlechtere Zier geworden ist, heißt sein Beitrag zum Forschungsfeld denn auch schlicht: Alles über Hobbits
Wir unterstützen ihn darin zwar in Form von besserwisserischen und spöttischen Fußnoten, aber sämtliche Betrachtungen zum Hobbittum, die sich in seinem Bändchen finden, sind allein auf seinem Mist gewachsen. Und er hat sich wirklich Mühe gegeben: Nicht nur erfahren wir beispielsweise endlich den Body-Mass-Index des durchschnittlichen Hobbits, sondern Kollege Wolf deckt unter anderem auch schonungslos auf, warum die Hobbits eben keine Hippies sind, wie sich ein paar Kekse erdreisten können, sich als Hobbits auszugeben, und warum es in einem Vorstellungsgespräch nicht sinnvoll ist, typische Hobbittugenden an den Tag zu legen.


Wir haben Jonas mittlerweile eine Frage gestellt, die des Öfteren auch schon an uns gerichtet wurde: „Wann schreibst du denn eigentlich mal ein richtiges Buch? So eins ohne Fantasyschnickschnack und ohne so unrealistisches Zeug?“ 
Wir dürfen das fragen, weil wir unlängst genauso ein Buch geschrieben haben: Der Wind bringt den Tod. (Wer jetzt Flatulenzwitze macht, zahlt 5 Euro in die Wortspielkasse!). Weil der Name meines Co-Autors besser zum Thema passte – dieser Thriller spielt schließlich in Nordfriesland –, wurde sein Name knallhart skandinavisiert und aufs Cover gedruckt. Kurz zur Handlung: Eine junge Frau, die seit einem tragischen Vorfall vor einigen Jahren nicht mehr ganz so gerne Auto fährt, wird von Berufs wegen gezwungen, sich ihrer Angst zu stellen. Das arme Geschöpf soll ein Windparkprojekt im schönen Odisworth in die Wege leiten und dass dort ein Mörder umgeht, der es anscheinend auf große blonde Damen abgesehen hat, macht ihr diese Aufgabe nicht leichter (insbesondere weil sie eine große blonde Dame ist ...). Manche Dorfbewohner sind auch nicht gerade die vertrauenerweckendsten Gestalten. Ich sage nur: Bürgermeister mit einäugigem Hund und alter kettenrauchender Schweinebauer, der seinen Gästen das nikotinvergilbte Brautkleid seiner verschwundenen Gattin bei sich im Wohnzimmer auf einer Schaufensterpuppe präsentiert ...


So, und nach all dem Schund noch mal was durch und durch Faszinierendes: Wer immer dachte, moderne Kunst sei langweilig und könnte einen echten Nerd niemals ansprechen, der schaue bitte dringend einmal hier vorbei

Montag, 26. März 2012

Wider unnützes Geheimwissen

Nicht ohne Stolz darf ich verkünden, dass zwei geschätzte Kollegen – namentlich Thomas Finn und Markus Heitz – und meine Wenigkeit gemeinsam mit den nicht minder geschätzten Triebfedern hinter dem Kreativhof Ideenreich eine folgenschwere Entscheidung getroffen haben: Wir wollen unser Wissen über das Bücherschreiben und das Verlagsgeschäft in einen großen Topf werfen, einmal kräftig umrühren, fein abschmecken und es dann allen Interessierten in mundgerechten Häppchen bei einem Wochenend-Workshop zu kosten geben.

Ein kleiner Auszug aus dem Menü:
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Gut abgehangene Drei-Akt-Struktur
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Auf den Punkt gegarte Figuren
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Schmackhafte Exposés

Man merkt schon: Wir servieren ein umfangreiches Programm, wie aus einer guten Idee am Ende auch eine gute Geschichte wird, mit der man sich ruhigen Gewissens auf Verlagssuche begeben kann.

Der eine oder andere hat vielleicht schon mal an einem unserer Workshops in kleinerer Besetzung und engerem zeitlichen Rahmen teilgenommen, und wir versprechen hoch und heilig: Das Ding jetzt wird noch informativer, noch intensiver und noch unterhaltsamer!

Wer mehr erfahren will, findet HIER alle Details bezüglich des gebotenen Programms, der Kosten und dem Veranstaltungsort. Wir freuen uns drauf!

Mittwoch, 21. März 2012

Fear and Loathing in Las Leipzig

Diese Woche sind Buchmesseberichte in, und als alte Trendhure tauche ich da gerne aus der Versenkung auf.

Mein Anreisetag war der Mittwoch, sodass ich Gelegenheit hatte, die netten Leute von WerkZeugs bereits beim Standaufbau zu belästigen. Mein prächtiger Bart wurde bestaunt, meine Ankündigung, am Freitag unter falschem Namen und im lila Anzug zu lesen, mit Begeisterung aufgenommen (oder war es Schrecken? Ich bin leider nicht so der Gefühlsmensch, weder bei mir noch bei anderen, weshalb ich mir da in der Rückschau nicht ganz sicher bin.)

Versüßt wurde mir die Anreise übrigens durch Thilo Corzilius, der sich todesmutig durch mich von Hannover nach Leipzig kutschieren ließ und sich am Donnerstag dann als der Seraph-Gewinner der Herzen herausstellen sollte. Mein ursprünglicher Plan, mit heller Stimme
„Dieser Preis ist eine Farce“ zu rufen und die Störung des Rituals anschließend einer unbeteiligten Lektorin in die Schuhe zu schieben, falls Thilo leer ausgehen sollte, scheiterte leider daran, dass mir besagte Lektorin zu sehr am Herzen liegt, als dass ich sie auf ewig vergrätzen wollte. Außerdem hat sie mir einen neuen Verlagskollegen vorgestellt, mit dem ich unmittelbar nach der Preisverleihung noch ein wenig plaudern durfte – unter anderem über Das Phantastische Quartett. Immer gut zu wissen, dass man nicht in den luftleeren Raum hineinsalbadert, sondern sich tatsächlich interessante Menschen ihre Gedanken zu meiner Verbaldiarrhöe machen.

Apropos Verlagskollegen: Thomas Elbel ist mindestens so dufte, wie er lang ist, und könnte generell auf Model umsatteln, wenn er mal keinen Bock mehr hat, Bücher zu schreiben, die umgehend für Preise nominiert werden.

Wo wir eben schon bei Sprechdurchfall waren: Gemeinsam mit Stephan Bellem und Nicole Schuhmacher habe ich donnerstags noch nebenbei ein neues Subgenre aus der Taufe gehoben –
Nudepunk. Ursprünglich war es noch Nukepunk (über so Gesellschaften, in denen vom Tampon bis zum Jumbojet wirklich restlos alles mit Atomkraft betrieben wird und wo Mutationen und unheilbare Erkrankungen als schrecklich schick gelten). Einen Verhörer später war es – wie gesagt – Nudepunk (über so Gesellschaften, wo alle total nackig sind und das Tragen von Kleidung verboten ist, aber selbstverständlich gibt es da so krasse Revoluzzer, die sich heimlich treffen, um ihre Leiber zu verhüllen und von der Hautpolizei unterdrückt werden).

Christian von Aster zeigte sich unverständlichermaßen allerdings mehr von angedachten Geschichten über bisexuelle Einhörner begeistert und schickte uns mit einem geheimen Sonderauftrag los, einen Griechen zu testen. Hört sich schmutzig bis sexy an, war es auch, ging allerdings primär um Nahrungsaufnahme. Also hier noch mal offiziell: Der Grieche ist gut. Punkt. Und dass Eva von der Phantastik-Couch anschließend zu einer völlig irren Lesung begleitet hat, von der wir leider nur noch den Schluss genießen durften, war sogar noch besser.
Was habe ich über Boris Koch gelernt? Er ist der perfekte Laudator für jede Gelegenheit, da er die hohe Kunst der gepflegten freundschaftlichen Beleidigung aus dem Effeff beherrscht. Von ihm lässt man sich doch gerne anranzen!

Eine andere wichtige Erkenntnis: Mein Bart und der von Christoph Hardebusch ergeben zusammen einen ganzen Bart! Crazy! Und irgendwie kommunistisch!

Zudem fand ich doch wirklich mal die Gelegenheit, mich länger mit Oliver Plaschka zu unterhalten, und kann nur sagen: Ich bereue nichts! Wovon ich allerdings demnächst dringend mehr hören muss, sind seine Erlebnisse als Nachtportier. Ich sehe da großes Potenzial für viele erschütternde Einblicke in die wahre Natur der menschlichen Existenz ... Von der lieben Ursula hingegen durfte ich erfahren, dass wir etwas Entscheidendes gemeinsam haben: den Rabenvogel auf dem Cover. Aber mit so einer bezaubernden Kollegin hat man das doch gern gemein.

Ju Honisch bin ich ihrerseits sehr dankbar für die skurrile Information, dass Frankfurt am Main demnächst eine neue Altstadt erhalten soll. Bislang war’s nur Vorurteil, jetzt ist es Fakt: Die Hessen haben doch irgendwie ein Rad ab ...

An Anke Brandt vom Geisterspiegel kommt man hingegen offenbar nicht vorbei, ohne sofort in ein spannendes Kurzgeschichtenprojekt eingebunden zu werden – so machen Raucherpausen richtig Spaß!

Kurzer Einschub: Was immer wieder Freude machte (insbesondere dann, wenn Thorsten und Mike dabei waren), war, durch den WerkZeugs-Stand zu schlendern und unvermittelt den arroganten Genreverächter raushängen zu lassen. „Haben die auch richtige Bücher hier oder verkaufen die nur so Schund?“ „Nee, Mann, also das geht gar nicht, allein die Cover.“ Man heimst jede Menge finsterer Blicke ein, aber ich liebe nun einmal die Gefahr ...

Freitags stand ansonsten noch die oben bereits erwähnte Lesung an. Ich trat als Jonas Wolf auf - unmittelbar vor einem aufstrebenden deutschen Jungautor, der nach wie vor eine echt coole Socke ist (in Schwarz) und bei dem ich es – übrigens ähnlich wie bei der WerkZeugs-Crew und allen anderen in diesem Post namentlich Genannten – unfassbar bedaure, dass sie alle so weit wegwohnen müssen. Achtung: Es wird polemisch.
Ich scheiße auf Apple. Also so von wegen: “Ey, wir leben jetzt alle in der Zukunft, Mann. iPhone. iPad.“ Ich wüsste, dass ich wirklich in der Zukunft lebe, wenn der Teleporter schon erfunden wäre und ich einfach mal so bei jedem vorbeischauen könnte, den ich gerade sehen will. So.). Die Lesung war jedenfalls sehr schön, mein Anzug wurde gelobt – trotz dem, was meine bezaubernde Gattin so charmant „die Rückenmumu“ nannte. Für alle, die jetzt endgültig verwirrt sind: Die Tage haue ich noch einen Post raus, in dem ich diese ganze Jonas-Wolf-Sache noch mal umfassend erkläre (das hier soll schließlich ein Messebericht sein – haha, netter Versuch ...).

Freitagabend hatte dann etwas Apokalyptisches. Man weiß, dass man in der richtigen Branche ist, wenn einen die Betreiber des Etablissements, in dem man gerade versackt, zur Tür hinauskehren müssen, weil man uns ansonsten nie loswird. Ich bin stolz auf sämtliche meiner betreuenden Lektoren, die sich als standhaft, trinkfest und schillerndste Gesprächspartner erwiesen haben – und ich habe ein minimal schlechtes Gewissen, weil ich eine Person doch tatsächlich zum Konsum von Rauchwerk verleitet habe.
Bin ich am Ende der Teufel? Füße gecheckt, keinen Huf entdeckt, ansatzweise beruhigt (aber auch ein wenig enttäuscht). Weitere Erkenntnis: Alte Fehden unter Verlagen sind in etwa so unnötig wie alle alten Fehden, zu deren Aufrechterhaltung uns die greisen Altvorderen zwingen, weil sie sich vor circa 36 Millionen Jahren mal in die Haare gekriegt haben. Will meinen: Meine Messe wäre ohne Gespräche mit einem krachendsympathischen Mann, der mich und die meinen einsam und verirrt in der Moritzbastei aufgelesen hat, um einiges ärmer gewesen.

Opfer gab es an diesem Abend tatsächlich zu beklagen: Mir ist ungelogen ein Knopf von der Weste gesprungen, weil ich beim Geschichtenaustausch über Haustierunfälle mit Bernhard Hennen und Michael Peinkofer zu sehr ins Lachen geriet. Moment. Das habe ich genau gehört! Ich bin nicht fett!

Fette Party gab’s auch Samstagabend, inklusive Absturz in einer Jazzkneipe (und das mir ... also nicht der Absturz, der Jazz ist gemeint). Mit im imaginären Flieger saßen diverse Kollegen aus dem Montsegur-Forum und Last-Minute-Reisende, darunter ganz in der ersten Reihe Claudia Toman, Kerstin Pflieger, Philipp Bobrowski, Wolfgang Schroeder und Victoria Schlederer (und schon wieder Thilo Corzilius – o nein, ich habe ihn verdorben!). Immerhin konnten wir uns anscheinend als Romantikengel verdient machen, aber wer mit wem hier verbandelt wurde, wird hier nicht verraten (whatever happens in Leipzig, stays in Leipzig). Zu fortgeschrittener Stunde wurden noch Pakte geschlossen, diverse Romanprojekte gemeinsam in Angriff zu nehmen (ich schaue Sie dabei an, Frau Schlederer!).

In Angriff genommen habe ich auch gleich zwei Interviews mit Elisabeth & Co. vom Jugendradio Leipzig, der ich zugleich nachhaltig versichern konnte, dass man keine Angst vor Kai Meyer haben muss (und wider Erwarten hat er sie dann auch nicht gefressen). Mehr oder minder zeitgleich versuchte ich Christian und Bine glaubhaft zu versichern, dass ich wirklich nicht an einer Romantasy- ähm... Romanze in sechzehn Bänden arbeite. Dafür bin ich leider noch nicht altersgeil genug.

Jetzt noch ein kurzer Hinweis speziell für die Fantasyrezensenten-Sphäre: Wer Myriel von der Bücherzeit und Joanna vom Roten Dorn unterstellt, sie hätten keine Ahnung von Fantasy, hat wahrscheinlich keine Ahnung von Fantasy.

Gute Vorsätze fürs nächste Mal: Mit der Steenbergen-Orgel-Gesellschaft beim Bellem zum nächtlichen Hinterhofgrillen aufschlagen – erst lackiertes Holz gibt Fleisch schließlich die richtige Würze.